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Antibiotika in der Parodontitistherapie
 

        Indikation         Kontraindikation
  • bei bestimmten, sehr aggressiven Parodontitisformen (z.B. juveniler Parodontitis)
  • bei behandlungsresistenten Parodontitisfällen, die trotz mechanischer Parodontaltherapie nicht ausheilen 
  • eine Antibiotikatherapie ist nicht grundsätzlich neben einer mechanischen Parodontaltherapie notwendig
  • Arzneimittelallergie

Bakterien im Zahnbelag (Plaque) sind die Hauptursache für Parodontitis. Bei den meisten Parodontalerkrankungen reicht die mechanische Entfernung von Plaque und Zahnstein und die dadurch bewirkte Verringerung der Bakterien für eine langfristige Stabilisierung der parodontalen Gesundheit aus. Eine zusätzliche Gabe von Antibiotika bringt in diesen Fällen keinen zusätzlichen Nutzen (McColl et al. 2006). „Antibiotika sind potentiell lebensrettende Medikamente, welche aufgrund ihrer teilweise nicht unbeträchtlichen Nebenwirkungen nur bei strenger Indikation eingesetzt werden sollten. Die Indikation für eine Antibiotikaanwendung ist […] bei parodontologischen Problemfällen zu suchen, die mit herkömmlichen Methoden nur unzureichend behandelt werden können“ (Schlagenhauf 1997). Einer Meinung, der sich auch Joda et a. (2011) anschließen. Ihr Fazit: "Aufgrund der Risiken, insbesondere systemischer Nebenwirkungen, (...) sollte der Einsatz von Antibiotika ausgewählten Patienten mit schweren Parodontiden und speziellen klinischen Situationen vorbehalten sein." 

So kann bei den seltener auftretenden aggressiven Parodontalerkrankungen, z. B. juveniler Parodontitis, der Einsatz von Antibiotika, systemisch oder lokal, sinnvoll sein. Während sich bei der systemischen Antibiotikagabe - in der Regel mittels Tabletten -  der Wirkstoff im gesamten Körper verteilt und so über Umwege auch in die parodontalen Taschen gelangt, wird bei der lokalen Antibiotikabehandlung der Wirkstoff direkt in die Tasche verabreicht. Antibiotikatherapien sollten nach Möglichkeit nur nach vorheriger mikrobiologischer Keimabklärung durchgeführt werden, um Über bzw. Unterbehandlungen sowie Resistenzbildungen zu vermeiden.


Systemische Antibiotikatherapie

Vorteil der systemischen Gabe: alle parodontalen Taschen und auch die anderen bakteriellen Nischen der Mundhöhle werden erreicht.  Deshalb wird die systemische Antibiotikatherapie vor allem bei generalisierten Formen der Parodontalerkrankungen, bei denen alle oder fast alle Zähne betroffen sind, angewandt. Nachteile der systemischen Antibiotikagabe sind die zum Teil erheblichen Nebenwirkungen, die von leichten Magen-Darm-Störungen bis zu allergischen Reaktionen reichen können. 

Häufig eingesetzte Antibiotika sind Doxycyclin, Metronidazol (Atridox®, Flagyl®, Clont®) und Amoxicillin oder eine Kombination von Metronidazol und Amoxicillin. Bei einer Penicillinallergie darf jedoch kein Amoxicillin eingesetzt werden (Tabelle).

Wirkstoff Dosis für Erwachsene    

Metronidazol
Doxycyclin oder Minocyclin
Clindamycin
Ciproloxacin
Metronidazol + Amoxicillin
Metronidazol + Ciproloxacin

500 mg, dreimal täglich über 8 Tage
100 bis 200 mg, einmal täglich über 21 Tage
300 mg, dreimal täglich über 8 Tage
500 mg, zweimal täglich über 8 Tage
je 250 mg, dreimal täglich über 8 Tage
je 500 mg, zweimal täglich über 8 Tage

Systemische antibakterielle medikamentöse Therapie (Bidault et al. 2007)


Lokale Antibiotikatherapie

Lokale Antibiotika (Tabelle), bei denen der Wirkstoff mit Hilfe einer Trägersubstanz kontinuierlich über einen längeren Zeitraum in die Zahnfleischtasche abgegeben wird, können zur Behandlung vereinzelter, immer wieder neu aufflammender Entzündungsprozesse angewendet werden.

Wirkstoff Handelsnahme                 Träger                                

Minocyclin (2%)
Metronidazol (25%)
Tetracyclin (25%)
Doxycyclin (8,5%)

Dentomycin®
Elyzol®
Actisite®
Atridox®
Gel, resorbierbar
Gel, resorbierbar
Faser, nicht resorbierbar
Gel, resorbierbar
Lokale Antibiotika


Wissenschaftliche Stellungnahmen der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde

Die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) gibt zu bestimmten Themen der Zahnheilkunde wissenschaftliche Stellungnahmen heraus. Bevor ein Text als offizielle Stellungnahme der DGZMK veröffentlicht wird, wird er sowohl von Fachvertretern und dem Vorstand der jeweils betroffenen Fachgruppierung als auch vom Vorstand der DGZMK kontrolliert. Nach Veröffentlichung überprüfen die Fachgesellschaften mit Hilfe einer Checkliste im regelmässig die Aktualität der Stellungnahmen.

Zum Betrachten und Ausdrucken der Stellungnahmen benötigen Sie den Adobe Acrobat Reader.

        Wissenschaftliche Stellungnahmen der (DGZMK) zu diesem Thema

Literatur:
Beikler, T., Karch, H., Flemming, T.F.: Adjuvante Antibiotika in der Parodontitistherapie. Wissenschaftliche Stellungnahme DGZMK. (Volltext).
Bidault, P., Chandad, F., Grenier, D.: Systemic Antibiotic Therapy in the Treatment of Periodontitis; J Can Dent Assoc (2007) 73: 515-520.
Buchmann, R.: Parodontologie – aus der Forschung in die Praxis. Dentalhygiene Journal 2000; 2: 40-47.
Joda, T., Sälzer, S., Heydecke, G.: Mikrobiologische Diagnostik und Antibiotika in der Parodontologie - was, wie und wann? Dtsch Zahnärztl Z (2011) 66: 38-44.
Kleber, B. M.: Parodontologie. Aalen: WM-Colleg: 2000.
McColl, E., Patel, K., Dahlen, G., Tonetti, M., Graziani, F., Suvan, J., Laurell, L.: Supportive periodontal therapy using mechanical instrumentation or 2% minocycline gel: a 12 month randomized, controlled, single masked pilot study; J Clin Periodontol 2006; 33 (2): 141–150.
Schlagenhauf, U.: Keimbestimmung und Antibiotika. In: Heidemann, D. (Hrsg.): Praxis der Zahnheilkunde. Bd. 4. Parodontologie. Urban & Schwarzenberg. München (1997): 140-142.  
Stelzel, M., Flores-de-Jacoby, L.:  Lokale und systemische Antibiotikagabe in der Behandlung von entzündlichen parodontalen Erkrankungen. Edition Wissen kompakt – Parodontologie: 12-14.

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Dieser Beitrag wurde von den im Impressum unter "Redaktion" genannten Zahnärzten und zahnmedizinischen Fachkräften erstellt und vom Schlussredaktionsteam didaktisch überarbeitet.
Datum der Erstellung: 30.08.2004, letzten Änderung: 05.03.2011, letzte Überprüfung: 05.03.2011. 



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