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Der Parodontale Screening Index (PSI)

 

Parodontale Erkrankungen sollten in der Zahnarztpraxis möglichst frühzeitig erkannt werden, da dann die besten Behandlungsergebnisse erzielt werden können. Zur Früherkennung parodontaler Schäden wurde bereits 1992 in den USA von den zahnärztlichen Gesellschaften American Academy of Periodontology (AAP) und  American Dental Association (ADA) der PSI (Parodontaler Screening Index) eingeführt. In Europa waren Italien und die Niederlande Vorreiter.  Das Verfahren ist kostengünstig, relativ rasch durchzuführen, weitestgehend schmerzfrei und kommt ohne großen apparativen Aufwand aus. Mit der PSI-Sonde, einer speziellen Parodontalsonde, können einfach und schnell die zwei klinischen Parameter Blutungsneigung und Sondierungstiefe gemessen werden.

 PSI-Code 0: Das schwarze Band der Sonde bleibt vollständig sichtbar. Das Zahnfleisch ist gesund, keine Blutung nach Sondieren. Keine Therapie notwendig.Foto: Spitta.    PSI-Code 4: Das schwarze Band der Sonde verschwindet vollständig in der Tasche. Foto: Spitta.
PSI-Code 0: Das schwarze Band der Sonde bleibt vollständig
sichtbar. Das Zahnfleisch ist gesund, keine Blutung nach
Sondieren. Keine Therapie notwendig.
 

PSI-Code 4: Das schwarze Band der Sonde verschwindet
vollständig in der Tasche.
                                                                               
Fotos: Spitta 

Zur Untersuchung wird das Gebiss in sechs Bereiche aufgeteilt und das Zahnfleisch in jedem einzelnen Bereich untersucht. Dies geschieht mit Hilfe der PSI-Sonde. Diese hat eine spezielle Längenmarkierung und ein Arbeitsende in Form einer winzigen Halbkugel, welche das Zahnfleisch nicht nur vor Verletzungen schützt, sondern auch hilft, kleine Rauhigkeiten aufzuspüren. Die Sonde wird vorsichtig am Zahn entlang in die Zahnfleischtasche eingeführt. Dies geschieht an vier oder sechs verschiedenen Stellen jedes Zahnes. Dabei wird an diesen Stellen des Zahnes ein Befund über die Sondierungstiefe, die Blutungsneigung des Zahnfleisches und die Rauhigkeiten der Zahnoberfläche erhoben. Die möglichen Befunde werden fünf unterschiedlichen Codes zugeordnet.

Für jeden Bereich wird jeweils der höchste Wert notiert. Bei Code 0 sind Zahnfleisch (Gingiva) und Zahnbett (Parodont) gesund. Die Codes 1 und 2 deuten auf eine Gingivitis hin, Code 3 und 4 auf eine mittelschwere bzw. schwere Form der Parodontitis. Bereits nach wenigen Minuten hat der Zahnarzt mit dieser Einfachen Methode erste Informationen über die Schwere und den Behandlungsbedarf einer möglichen Zahnfleisch- oder Zahnbettentzündung gewonnen. Aufgrund der Ergebnisse wird der Zahnarzt gegebenenfalls eine weitergehende, umfassende parodontale Untersuchung durchführen und entsprechende Therapiemaßnahmen einleiten. Die Kosten für diese sinnvolle Maßnahme werden von den gesetzlichen Krankenkassen alle zwei Jahre übernommen.

 PSI-Sonde zur Messung der Taschentiefe.    PSI – Der Parodontale Screening Index
 PSI-Sonde zur Messung der Taschentiefe.    PSI – Der Parodontale Screening Index.

Anstelle mit der PSI-Sonde kann die Untersuchung und Beurteilung des Zahnfleischzustandes auch mit einer computergesteuerten Parodontalsonde (FloridaProbe) erfolgen. Vorteil der FloridaProbe ist die druckkalibrierte (Messung mit stets gleichem Druck) Messung der Tiefe von Zahnfleischtaschen und die direkte Übertragung der Messdaten in ein spezielles Computerprogramm. Die gemessenen Werte können so als Grundlage zur Dokumentation über den Verlauf des Krankheitsbildes dienen.

Die FloridaProbe Software verfügt über Funktionen, die es ermöglichen für jeden Zahn eines Patienten einen 'Verlauf' aufzuzeichenen. 

Die FloridaProbe Software verfügt über Funktionen, die es ermöglichen für jeden Zahn eines Patienten einen 'Verlauf' aufzuzeichenen. So können Veränderungen schnell bemerkt werden. Beispiel: Entwicklungen eines Zahnstatus (1997, 2002, 2004). 



Therapeutische Konsequenzen

Aus den gefundenen Werten ergeben sich therapeutische Konsequenzen:

Ist für alle Bereiche der PSI-Code 0 ermittelt worden, ist das Zahnfleisch gesund. Die gute Mundhygiene sollte weiter aufrechterhalten werden.

Wurde ein- oder mehrmals Code 1 gefunden, ist das ein Hinweis auf eine Zahnfleischentzündung. Der Zahnarzt und sein Team werden mögliche Ablagerungen, wie Zahnbelag oder Zahnstein, von den Zahnoberflächen und aus den Zahnfleischtaschen entfernen und Instruktionen zur Verbesserung der Mundhygiene geben.

Code 3 bedeutet, dass eine mittelschwere Parodontitis vorliegt. Neben der Verbesserung der Mundhygiene durch eine professionelle Zahnreinigung (PZR) sind weitere Untersuchungen notwendig, um eine genauere Diagnose zu erstellen. Diese ist dann die Basis für entsprechende Behandlungsmaßnahmen.

Entsprechendes gilt für Code 4, bei dem eine schwere Parodontitis vorliegt. Wie bei den Codes 1 und 2 ist auch bei den Codes 3 und 4 die Verbesserung der Mundhygiene eine Voraussetzung für einen dauerhaften Behandlungserfolg. Darüber hinaus ist in der ersten Phase der Behandlung eine professionelle Zahnreinigung (PZR) unerlässlich.

Die Erhebung des PSI ist eine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung.


PSI - Patientenratgeber

Deckblatt PatientenratgeberZur Patienteninformation hat die Deutsche Gesellschaft für Parodontologie mit Unterstützung der GABA GmbH ihre Ratgeberreihe um den Ratgeber 3 „PSI – Der Parodontale Screening Index zur Früherkennung von Parodontitis“ erweitert.
Die Broschüre können Sie hier als Arobat-Reader Download-Datei auf Ihren Computer laden oder über den GABA Beratungs-Service, Postfach 24 20, D-79514 Lörrach, erhalten.

Literatur:
Osborn, J., Stoltenberg, J., Huso, B., Aeppli, D., Pihlstrom, B.: Comparison of measurement variability using a standard and constant force periodontal probe. J Periodontol. 1990 Aug; 61(8): 497-503.

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Dieser Beitrag wurde von den im Impressum unter "Redaktion" genannten Zahnärzten und zahnmedizinischen Fachkräften erstellt und vom Schlussredaktionsteam didaktisch überarbeitet.
Datum der Erstellung: 01.07.2004, letzten Änderung: 06.01.2008, letzte Überprüfung: 06.01.2008. 


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