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Gingivitis (Zahnfleischentzündung)
Stark entzündetes Zahnfleisch.














 

Trotz starken Kariesrückgangs gibt es in Deutschland noch viel Handlungsbedarf. Denn Erkrankungen des Zahnhalteapparates, sogenannte Parodontalerkrankungen, haben erheblich zugenommen. Die vierte Deutsche Mundgesundheitsstudie, die das Institut der Deutschen Zahnärzte im Jahr 2005 durchführte, bringt es an den Tag: Immer mehr Zähne sind kariesfrei - in allen Altersgruppen, von Kindern bis Senioren.
Gesunde Zähne brauchen aber ein gesundes Zahnfleisch. Leider ist das Gegenteil der Fall. Die Zähne, die immer länger erhalten werden, leiden allzu oft an Zahnfleischentzündungen (Gingivitis) und Entzündungen des Zahnhalteapparates  (Parodontitis). Mit steigender Tendenz! Abbau des Zahnhalteapparates und im fortgeschrittenem Stadium Zahnverlust ist die Folge.  Wenn es also gelingt, auch die Zahnfleischerkrankungen zu reduzieren, ist die totale Zahnprothese für künftige Generationen Geschichte.
 
Aber scheinbar werden die Schrumpfungsvorgänge am Zahnfleisch und am Kieferknochen nicht nur von den Patienten, sondern auch von den Zahnärzten zu wenig wahrgenommen. Während die Deutsche Gesellschaft für Parodontologie einen Therapiebe-darf bei etwa 25 Millionen Erwachsenen sieht, wur-den im Jahr 2002 lediglich 717 000 Patienten wirk-lich behandelt, also gerade mal 1,5 Prozent der Erkrankten (Deutsche Gesellschaft für Parodontolo¬gie, Pressekonferenz am 08.11.2004). Es gibt noch viel zu tun. Packen wir’s an!


Wie steht es denn um Ihr Zahnfleisch?

Sind Sie besser als der Durchschnitt. Oder ist auch Ihr Zahnfleisch geschwollen und gerötet? Blutet es beim morgentlichen Zähneputzen?
Wenn Sie eine oder mehrere dieser Fragen mit "Ja" beantworten, dann liegt bei Ihnen wahrscheinlich eine Zahnfleischentzündung oder Gingivitis vor. Rund 80 Prozent der Deutschen leiden an dieser Erkrankung des Zahnfleischs. Ein kleiner Test der Deutschen Gesellschaft für Parodontologie (DGP) zeigt Ihnen, ob Sie bereits an akuten Veränderungen am Zahnfleisch leiden (zum Test).

Während gesundes Zahnfleisch eine blass-rosa Farbe hat und die Räume zwischen den Zähnen völlig ausfüllt, ist bei einer Gingivitis das Zahnfleisch gerötet, geschwollen und blutet leicht.


Wie entsteht eine Gingivitis?

Während gesundes Zahnfleisch eine blass-rosa Farbe hat und die Räume zwischen den Zähnen völlig ausfüllt, ist bei einer Entzündung das Zahnfleisch gerötet, geschwollen und blutet leicht. Die Entzündung des Zahnfleischs, die Gingivitis,  wird durch Bakterien und Nahrungsresten auf den Zähnen verursacht. Zwar sind Bakterien in der Mundhöhle etwas ganz normales und die Mehrheit von ihnen ist auch harmlos. Bei unzureichender Zahnpflege vermehren sie sich aber stark, und auf der Zahnoberfläche und am Zahnfleischrand entsteht ein klebriger Belag (Plaque). Die in diesem Belag enthaltenen Bakterien setzen giftige Substanzen frei, die das Zahnfleisch angreifen und Entzündungen hervorrufen. Es kommt zu Rötungen, Schwellungen und Blutungen. Schmerzen bestehen in der Regel nicht.

 Gesundes Zahnfleisch. (Foto: Spitta).   Gingivitis, verursacht durch mangelhafte Mundhygiene. (Foto: Spitta). 

So sieht gesundes Zahnfleisch aus: gleichmäßig blassrosa.
Keine Blutung beim Zähneputzen.


 

Durch starke Beläge am Zahnfleischsaum entzündetes Zahnfleisch (Gingivitis).  Stellenweise stark gerötet und geschwollen. Schon bei leichter Berührung kommt es zu Blutungen. (Fotos: Spitta)

Weitere Faktoren, z. B. Hormone (Pubertät, Schwangerschaft, Diabetes mellitus), Blutbildungsstörungen ( Leukämie), aber auch eine Mangelernährung (Mangel an Vitamin C) können die Erkrankung begünstigen. Nicht unterschätzt werden darf der Einfluss bestimmter Medikamente. Bei Patienten die zur Behandlung ihres Bluthochdrucks (Hypertonie) über lange Zeit so genannte Kalziumantagonisten vom Nifedipin-Typ (z.B.  Adalat®, Amlodipin®, Felodipin®, Nitrendipin®, Nifedipin®) einsetzen, können Wucherungen des Zahnfleisches entstehen, die die Plaquebildung und so die Gingivitis fördern. Eine chronische Entzündung wird provoziert.

 Schwangerschaftsgingivitis bei Patientin im 8. Schwangerschaftsmonat. (Foto: Spitta).   Zahnfleischschwellung in Folge einer Medikamenteneinnahme (Kalziumantagonisten). Durch die Zahnfleischschwellung kann eine Gingivitis gefördert werden. (Foto: Spitta). 

Patientin im 8. Schwangerschaftsmonat. Zu beachten ist die ausgeprägte entzündliche Veränderung des Zahnfleischs an den überkronten Zähnen 13 bis 23 im Vergleich zur Unterkieferfront.

 

Zahnfleischschwellung in Folge einer Medikamenteneinnahme (Norvasc und Amlodipin = Kalziumantagonisten). Durch die Zahnfleischschwellung kann eine Gingivitis gefördert werden. (Fotos: Spitta)

Zahnfleischwucherungen und Zahnfleischentzündungen können auch die Folge von Langzeittherapien mit Medikamente der Hydantoingruppe (z. B. Epanutin®, Phenhydan®, Zentropil®) sein, die bei Krampfleiden (Epilepsie) eingesetzt werden. Um Abstoßungsreaktionen zu unterdrücken, erhalten Transplantationspatienten nach der Organtransplantation das Immunsuppressivum Cyclosporin-A verordnet. Auch dieses Medikament führt häufig zu Zahnfleischverdickungen, die eine Zahnfleischentzündung begünstigt. Aber auch so genannte Anabolika, die besonders bei jungen Bodybuildern und Kraftsportlern beliebt sind, können zu Zahnfleischwucherungen und in der Folge zu Zahnfleischentzündungen führen (Ozcelik et al. 2006).

Kein Zusammenhang scheint zwischen der „Pille“ und Gingivitis zu bestehen. Dies wurde zwar in früheren Jahren immer wieder vermutet, eine Studie von Taichman und Eklund (2005) konnte jedoch keine Hinweise darauf finden, dass die orale Kontrazeption mit verstärktem Auftreten von Gingivitis verbunden ist.

Vor allem Blutungen sind ein gut sichtbares Warnzeichen für eine Gingivitis, denn gesundes Zahnfleisch blutet nicht. Laut einer Umfrage aus dem Jahr 2006 wird Zahnfleischbluten als Warnsignal allerdings von über 60% der Bevölkerung unterschätzt. Lediglich 34% der Befragten halten dieses erste Zeichen einer Entzündung für gefährlich. Wird die Zahnfleischentzündung in diesem Stadium nicht gestoppt, kann sie auf den Kieferknochen übergehen und in Schüben zu dessen Abbau führen. Die anfängliche Gingivitis ist dann in eine Parodontitis übergegangen.

 Über 60% der Bevölkerung unterschätzen Zahnfleischbluten. Quelle: EMROS 12/2006.

Über 60% der Bevölkerung unterschätzen Zahnfleischbluten. Antworten auf die Frage: „Wie gefährlich empfinden Sie es, wenn Ihr Zahnfleisch manchmal bluten würde?“
Quelle: EMROS 12/2006.


Wie kann ich mich vor einer Gingivitis schützen?

Ohne Zahnbeläge kann keine Gingivitis entstehen. Wenn Sie mindestens zweimal täglich Ihre Zähne gründlich mit der Zahnbürste putzen und auch die Zahnzwischenräume reinigen, dann haben Sie nicht nur Ihre Zähne, sondern auch Ihr Zahnfleisch optimal vor Erkrankungen geschützt. Mit einer Mundspülung, die das Wachstum entzündungsfördernder Bakterien hemmt, können Sie die Mundpflege ergänzen. Mit erstaunlich wenig Aufwand kann viel erreicht werden, denn eine gute Mundhygiene zu Hause kostet lediglich 73 – 110 Euro jährlich, bzw. 20 – 30 Cent täglich.

        Produkt         Euro/Jahr
  • Zahnpasta
    7,3 bis 9,7 Tuben (75 ml/Tube)
  • Zahnbürsten
    4 bis 6 Stück
  • Zahnseide
    365 Verbrauchseinheiten
  • Alternative zu Zahnseide:
    Zahnzwischenraumbürsten
    52 Stück
  • Gesamtkosten pro Jahr 
  • Kosten pro Tag


 


  • 16 - 22 Euro

  • 12 - 18 Euro

  • ca. 70 Euro

  • ca. 45 Euro


  • 73 - 110 Euro
  • 0,20 - 0,30 Euro

(Quelle: Bundeszahnärztekammer 2007


Wie wird eine Gingivitis behandelt?

        Indikation         Kontraindikation
  • bei einer durch Plaque (Beläge) verursachten Entzündung des Zahnfleischs


  • Patienten mit erhöhter Blutungsneigung (Rücksprache mit Hausarzt) 
  • Patienten mit Herzerkrankungen (Rücksprache mit Hausarzt)

Im Zustand der Entzündung können kurzzeitig  zur Verringerung der Bakterien auch spezielle Mundspüllösungen, Gels oder Mundsprays zur Desinfektion eingesetzt werden. Ein sehr bewährter Wirkstoff ist hierbei Chlorhexidin (CHX), z. B. in Form von 0,2%iger Chlorhexidinlösung. Chlorhexidin ist anderen Wirkstoffen bezüglich der Plaquehemmung erwiesenermaßen überlegen (Addy 1986, Lang u. Brecx 1986, Addy u. Renton-Harper 1997, Brecx 1997). Aufgrund seiner guten Wirkung zählt Chlorhexidin zum sogenannten Goldstandard bei der  Mundhöhlenantiseptik und Plaquehemmung.

Wegen des möglichen Auftretens von gelbbraunen Verfärbungen an den Zähnen und Geschmacksstörungen (Löe et al.1976; Greenstein et al. 1986) sollte die Anwendungsdauer auf zwei bis drei Wochen beschränkt und nur in Ausnahmefällen überschritten werden. Das Irritationspotenzial von Chlorhexidin auf Haut und Schleimhäuten ist in den Anwendungskonzentrationen so gering, dass auch die wiederholte Anwendung gut vertragen wird. Hinsichtlich krebserzeugender  Eigenschaften besteht ein großer Sicherheitsfaktor, so dass eine Schädigung des menschlichen Organismus bei bestimmungsgemäßer Anwendung von CHX ausgeschlossen werden kann (Splieth u. Kramer 2001). Wegen einer weit geringeren Verfärbungstendenz kann zur langfristigen Unterstützung der Mundhygiene mit antibakteriellen Wirkstoffen auf niedrig dosierte Chlorhexidinlösungen (Arweiler u. Ilse 2007) oder auf Wirkstoffe wie Aminfluorid/Zinnfluorid, Cetylpyridiniumchlorid plus Zinkchlorid oder eine spezielle Mischung aus ätherischen Ölen zurückgegriffen werden.

 Chlorhexidin ist ein Wirkstoff, der Bakterien abtötet. Chlorhexidin-Präparate können daher die Zahl der Bakterien im Mundraum deutlich reduzieren. (Foto: Spitta).    Linkes Bild: Nach der Anwendung von Chlorhexidin über vier Tage hat sich trotz Verzicht auf Zähneputzen so gut wie kein Zahnbelag gebildet. Rechtes Bild: Zum Vergleich dazu derselbe Patient, der über vier Tage ein Plazebo verwendete. Nach Anfärben wird der Zahnbelag erkennbar. (Foto: Spitta).

Chlorhexidin ist ein Wirkstoff, der Bakterien abtötet. Chlorhexidin-Präparate können daher die Zahl der Bakterien im Mundraum deutlich reduzieren.

 

Linkes Bild: Nach der Anwendung von Chlorhexidin über vier Tage hat sich trotz Verzicht auf Zähneputzen so gut wie kein Zahnbelag gebildet. Rechtes Bild: Zum Vergleich dazu derselbe Patient, der über vier Tage ein Plazebo verwendete. Nach Anfärben wird der Zahnbelag erkennbar.
(Foto: Spitta).

Zu beachten ist, dass viele Chlorhexidin-Mundspüllösungen Alkohol als Lösungsvermittler enthalten. Diese Lösungen sind für Kinder, Schwangere und "trockene" Alkoholiker nicht geeignet. Zwischenzeitlich werden aber auch alkoholfreie Chlorhexidin-Lösungen angeboten. Laut einer aktuellen Studie der Arbeitsgruppe um Professor Dr. Thomas Hoffmann von der Universität Dresden, die den Einfluss von Mundspülungen mit Chlorhexidin auf die Entwicklung von gingivalen Entzündungen untersucht hat, haben alkoholfreie Lösungen ohne Alkohol (untersucht wurde meridol® paro CHX 0,2%) eine identische plaquehemmende und antibakterielle Wirkung wie die Chlorhexidin-Vergleichslösung mit Alkohol.

Bei allen CHX-Lösungen muss beachtet werden, dass die in 80% aller Zahnpasten enthaltenen anionischen Tenside (z. B. Natriumdodecylsulfat) die Wirkung von Chlorhexidin beeinträchtigen. Daher sollte zwischen dem Zähneputzen und dem Spülen mit einer CHX-Lösung eine Wartezeit von 30 Minu¬ten eingehalten werden.

Sollte trotz Reinigung und der Anwendung einer CHX-Lösung die Gingivitis weiter bestehen, müssen andere Ursachen (z. B. Medikamente, Hormone) der Erkrankungen in Betracht gezogen und bei Bedarf behandelt werden. Sind auf den Zähnen bereits harte Beläge vorhanden, muss in der Zahnarztpraxis eine Zahnsteinentfernung erfolgen. So behandelt ist die Zahnfleischentzündung nach ein paar Wochen vollständig abgeklungen. Das Zahnfleisch blutet nicht mehr und ist gesund.


Patientenratgeber "Gesundes Zahnfleisch"

Ein Ratgeber der Deutschen Gesellschaft für Parodontologie informiert Sie über Früherkennung, Vorbeugung und Behandlungsverfahren von Zahnfleisch- und Zahnbetterkrankungen. Die Broschüre wurde mit Unterstützung der GABA meridol Forschung erstellt. Sie können den Ratgeber als Acrobat-Reader-Datei auf Ihren Computer herunterladen.
Download Patientenratgeber (398 KB)


Fachgesellschaften und weitere Adressen im Internet

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Literatur:
Addy, M. (1986): Chlorhexidine compared with other locally delivered antimicrobials. A short review. J Clin Periodontol 13: 957-964. (Zusammenfassung, englisch)
Addy, M., Renton-Harper, P. (1997): The Role of Antiseptics in Secondary Prevention. In: Lang, N.-P., Karring, T., Lindhe, J. (Hrsg.): Proc 2nd Europ Workshop on Periodontology: Chemicals in Periodontics, Quintessenz, Berlin, 152.
Brecx, M. (1997): Strategies and agents in supragingival chemical plaque control. J Clin Periodontol 2000, 15: 100.
Bundeszahnärztekammer (2007): Was kostet Mundgesundheit? In: Mundgesundheit: Eigene Verantwortung – Gemeinsame Vorsorge. Berlin: 13-14. (Volltext).
Lang, N. P., Brecx, M. (1986): Chlorhexidine digluconate. An agent for chemical plaque control and prevention of gingival inflammation. J Periodont Res 21: 74. (Zusammenfassung, englisch).
Grennstein, G., Berman, C., Jaffin, R. (1986): Chlorhexidine. An adjunct to periodontal therapy. J Clin Periodontol 57: 370-377.
Löe, H., Schiött, R. G., Glavind, L., Karring, T. (1976): Two years oral use of chlorhexidine man. General design and clinical effects. Periodont Res 11:135-144.
Splieth, C., Kramer, A. (2000): Chlorhexidineinsatz. In: Splieth, C. (Hrsg.), Professionelle Prävention, Quintessenz, Berlin, 129-138.
Arweiler, N. B., Ilse, A.: Niedrig dosierte Chlorhexidinpräparate; Oralprophylaxe & Kinderzahnheilkunde (2007) 29: 16-21. (Volltext).
Taichman, L. S., Eklund, S. A.: Oral Contraceptives and Periodontal Diseases: Rethinking the Association Based Upon Analysis of National Health and Nutrition Examination Survey Data; Journal of Periodontology 2005; 76(8): 1374-1385. (Zusammenfassung, englisch)
Ozcelik, O., Haytac, M. C. , Seydaoglu, G.: The Effects of Anabolic Androgenic Steroid Abuse on Gingival Tissues; Journal of Periodontology (2006) 77: 1104-1109. (Zusammenfassung, englisch).

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Dieser Beitrag wurde von den im Impressum unter "Redaktion" genannten Zahnärzten und zahnmedizinischen Fachkräften erstellt und vom Schlussredaktionsteam didaktisch überarbeitet.
Datum der Erstellung: 05.01.2008, letzten Änderung: 05.01.2008, letzte Überprüfung: 05.01.2008. 



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