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Trotz starken Kariesrückgangs gibt es in Deutschland noch viel Handlungsbedarf. Denn Erkrankungen des Zahnhalteapparates, sogenannte Parodontalerkrankungen, haben erheblich zugenommen. Die vierte Deutsche Mundgesundheitsstudie, die das Institut der Deutschen Zahnärzte im Jahr 2005 durchführte, bringt es an den Tag: Immer mehr Zähne sind kariesfrei - in allen Altersgruppen, von Kindern bis Senioren.
So sieht gesundes Zahnfleisch aus: gleichmäßig blassrosa. Durch starke Beläge am Zahnfleischsaum entzündetes Zahnfleisch (Gingivitis). Stellenweise stark gerötet und geschwollen. Schon bei leichter Berührung kommt es zu Blutungen. (Fotos: Spitta) Weitere Faktoren, z. B. Hormone (Pubertät, Schwangerschaft, Diabetes mellitus), Blutbildungsstörungen ( Leukämie), aber auch eine Mangelernährung (Mangel an Vitamin C) können die Erkrankung begünstigen. Nicht unterschätzt werden darf der Einfluss bestimmter Medikamente. Bei Patienten die zur Behandlung ihres Bluthochdrucks (Hypertonie) über lange Zeit so genannte Kalziumantagonisten vom Nifedipin-Typ (z.B. Adalat®, Amlodipin®, Felodipin®, Nitrendipin®, Nifedipin®) einsetzen, können Wucherungen des Zahnfleisches entstehen, die die Plaquebildung und so die Gingivitis fördern. Eine chronische Entzündung wird provoziert.
Patientin im 8. Schwangerschaftsmonat. Zu beachten ist die ausgeprägte entzündliche Veränderung des Zahnfleischs an den überkronten Zähnen 13 bis 23 im Vergleich zur Unterkieferfront. Zahnfleischschwellung in Folge einer Medikamenteneinnahme (Norvasc und Amlodipin = Kalziumantagonisten). Durch die Zahnfleischschwellung kann eine Gingivitis gefördert werden. (Fotos: Spitta) Zahnfleischwucherungen und Zahnfleischentzündungen können auch die Folge von Langzeittherapien mit Medikamente der Hydantoingruppe (z. B. Epanutin®, Phenhydan®, Zentropil®) sein, die bei Krampfleiden (Epilepsie) eingesetzt werden. Um Abstoßungsreaktionen zu unterdrücken, erhalten Transplantationspatienten nach der Organtransplantation das Immunsuppressivum Cyclosporin-A verordnet. Auch dieses Medikament führt häufig zu Zahnfleischverdickungen, die eine Zahnfleischentzündung begünstigt. Aber auch so genannte Anabolika, die besonders bei jungen Bodybuildern und Kraftsportlern beliebt sind, können zu Zahnfleischwucherungen und in der Folge zu Zahnfleischentzündungen führen (Ozcelik et al. 2006). Kein Zusammenhang scheint zwischen der „Pille“ und Gingivitis zu bestehen. Dies wurde zwar in früheren Jahren immer wieder vermutet, eine Studie von Taichman und Eklund (2005) konnte jedoch keine Hinweise darauf finden, dass die orale Kontrazeption mit verstärktem Auftreten von Gingivitis verbunden ist. Vor allem Blutungen sind ein gut sichtbares Warnzeichen für eine Gingivitis, denn gesundes Zahnfleisch blutet nicht. Laut einer Umfrage aus dem Jahr 2006 wird Zahnfleischbluten als Warnsignal allerdings von über 60% der Bevölkerung unterschätzt. Lediglich 34% der Befragten halten dieses erste Zeichen einer Entzündung für gefährlich. Wird die Zahnfleischentzündung in diesem Stadium nicht gestoppt, kann sie auf den Kieferknochen übergehen und in Schüben zu dessen Abbau führen. Die anfängliche Gingivitis ist dann in eine Parodontitis übergegangen. Über 60% der Bevölkerung unterschätzen Zahnfleischbluten. Antworten auf die Frage: „Wie gefährlich empfinden Sie es, wenn Ihr Zahnfleisch manchmal bluten würde?“
Ohne Zahnbeläge kann keine Gingivitis entstehen. Wenn Sie mindestens zweimal täglich Ihre Zähne gründlich mit der Zahnbürste putzen und auch die Zahnzwischenräume reinigen, dann haben Sie nicht nur Ihre Zähne, sondern auch Ihr Zahnfleisch optimal vor Erkrankungen geschützt. Mit einer Mundspülung, die das Wachstum entzündungsfördernder Bakterien hemmt, können Sie die Mundpflege ergänzen. Mit erstaunlich wenig Aufwand kann viel erreicht werden, denn eine gute Mundhygiene zu Hause kostet lediglich 73 – 110 Euro jährlich, bzw. 20 – 30 Cent täglich.
(Quelle: Bundeszahnärztekammer 2007)
Im Zustand der Entzündung können kurzzeitig zur Verringerung der Bakterien auch spezielle Mundspüllösungen, Gels oder Mundsprays zur Desinfektion eingesetzt werden. Ein sehr bewährter Wirkstoff ist hierbei Chlorhexidin (CHX), z. B. in Form von 0,2%iger Chlorhexidinlösung. Chlorhexidin ist anderen Wirkstoffen bezüglich der Plaquehemmung erwiesenermaßen überlegen (Addy 1986, Lang u. Brecx 1986, Addy u. Renton-Harper 1997, Brecx 1997). Aufgrund seiner guten Wirkung zählt Chlorhexidin zum sogenannten Goldstandard bei der Mundhöhlenantiseptik und Plaquehemmung. Wegen des möglichen Auftretens von gelbbraunen Verfärbungen an den Zähnen und Geschmacksstörungen (Löe et al.1976; Greenstein et al. 1986) sollte die Anwendungsdauer auf zwei bis drei Wochen beschränkt und nur in Ausnahmefällen überschritten werden. Das Irritationspotenzial von Chlorhexidin auf Haut und Schleimhäuten ist in den Anwendungskonzentrationen so gering, dass auch die wiederholte Anwendung gut vertragen wird. Hinsichtlich krebserzeugender Eigenschaften besteht ein großer Sicherheitsfaktor, so dass eine Schädigung des menschlichen Organismus bei bestimmungsgemäßer Anwendung von CHX ausgeschlossen werden kann (Splieth u. Kramer 2001). Wegen einer weit geringeren Verfärbungstendenz kann zur langfristigen Unterstützung der Mundhygiene mit antibakteriellen Wirkstoffen auf niedrig dosierte Chlorhexidinlösungen (Arweiler u. Ilse 2007) oder auf Wirkstoffe wie Aminfluorid/Zinnfluorid, Cetylpyridiniumchlorid plus Zinkchlorid oder eine spezielle Mischung aus ätherischen Ölen zurückgegriffen werden.
Zu beachten ist, dass viele Chlorhexidin-Mundspüllösungen Alkohol als Lösungsvermittler enthalten. Diese Lösungen sind für Kinder, Schwangere und "trockene" Alkoholiker nicht geeignet. Zwischenzeitlich werden aber auch alkoholfreie Chlorhexidin-Lösungen angeboten. Laut einer aktuellen Studie der Arbeitsgruppe um Professor Dr. Thomas Hoffmann von der Universität Dresden, die den Einfluss von Mundspülungen mit Chlorhexidin auf die Entwicklung von gingivalen Entzündungen untersucht hat, haben alkoholfreie Lösungen ohne Alkohol (untersucht wurde meridol® paro CHX 0,2%) eine identische plaquehemmende und antibakterielle Wirkung wie die Chlorhexidin-Vergleichslösung mit Alkohol. Bei allen CHX-Lösungen muss beachtet werden, dass die in 80% aller Zahnpasten enthaltenen anionischen Tenside (z. B. Natriumdodecylsulfat) die Wirkung von Chlorhexidin beeinträchtigen. Daher sollte zwischen dem Zähneputzen und dem Spülen mit einer CHX-Lösung eine Wartezeit von 30 Minu¬ten eingehalten werden. Sollte trotz Reinigung und der Anwendung einer CHX-Lösung die Gingivitis weiter bestehen, müssen andere Ursachen (z. B. Medikamente, Hormone) der Erkrankungen in Betracht gezogen und bei Bedarf behandelt werden. Sind auf den Zähnen bereits harte Beläge vorhanden, muss in der Zahnarztpraxis eine Zahnsteinentfernung erfolgen. So behandelt ist die Zahnfleischentzündung nach ein paar Wochen vollständig abgeklungen. Das Zahnfleisch blutet nicht mehr und ist gesund.
Literatur: _________________________________________________________________________________________________ |
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