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Es benötigte dann jedoch weiterer siebzig Jahre und eines Zufalls, bis das Bleichen der Zähne in die Zahnarztpraxis einzog: Zur Desinfektion bei Zahnfleischentzündungen setzten amerikanische Mediziner in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts Carbamidperoxid ein. Als Nebeneffekt bemerkten sie, dass die Zähne weißer wurden. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt.... Aber reichen Schiene oder Pinsel in der Heimanwendung aus, oder werden High-Tech-Verfahren, zum Beispiel Laser, in der Zahnarztpraxis für ein weißes Ergebnis benötigt? Wie sieht es mit den Nebenwirkungen und Kosten aus? Die gängigen Bleichmittel verwenden als Wirkstoff Wasserstoffperoxid oder das bereits erwähnte Carbamidperoxid, wobei auch das Carbamidperoxid beim Kontakt mit dem Zahnschmelz Wasserstoffperoxid freisetzt. Das Wasserstoffperoxid dringt durch den Schmelz bis in das Dentin vor und zerstört dort vorhandene Farbpigmente durch Oxidation. Zur Bestimmung des Bleicherfolges können Farbvergleichamuster angewendet werden.
Liegt die Konzentrationen der Bleichmittel unter 10 Prozent, so können diese Zahnaufhellungsprodukte, die dann der Kosmetikverordnung unterliegen, zu Hause angewendet werden ("home-bleaching“). Bei höheren Wirkstoffkonzentrationen gelten die Bleichmittel als Medizinprodukte. Dementsprechend ist eine Abgabe nur an Zahnärzte zur Zahnbleichung in der Praxis gestattet ("in-office“-Verfahren). Zur häuslichen Anwendung werden Schienen- und Folienbleichverfahren eingesetzt. Das Bleichmittel wird entweder in eine Schiene, die dem Zahnbogen angepasst ist, eingefüllt und die Schiene über die Zähne geschoben, oder das Bleichmittel befindet sich auf einer dünnen Folie, die auf die Zähne geklebt wird. Die Wirksamkeit dieser Verfahren wurde in zahlreichen klinischen Untersuchungen bestätigt (z. B. Zantner et al. 2006) . Die in diesen Studien beschriebenen möglichen lokalen Nebenwirkungen, vor allem die Überempfindlichkeit der Zähne, sind in der Regel von kurzer Dauer. In der Literatur werden vereinzelt Nebenwirkungen beim Bleichen wie Schmelzrisse, rauere Zahnoberfläche oder weicherer Zahnschmelz beschrieben. Vor allem bei Zähnen mit vorgeschädigtem Zahnschmelz (z. B. Säure-Erosionen) kann durch das Bleichverfahren eine erhöhte Schädigung der Zahnhartsubstanz festgestellt werden (Willershausen et al. 2007). Bei niedrigem ph-Wert und hoher Bleichmittelkonzentration nimmt die Oberflächenrauigkeit des Zahnschmelzes zu. Studie von Attin (1997) und Lewinstein (2004) zeigen, dass ein möglicher Härteverlust durch anschließende Fluoridierung der Zähne wieder rückgängig gemacht werden kann. Sowohl bei professionellen Bleichmethoden als auch bei handelsüblichen Präparaten.
Für alle Bleichtherapien gilt aber, dass Bleichmittel zur oberflächlichen Erweichung von Zahnfüllungen aus Kunststoff (Komposit) oder Glasionomerzement führen können. Nach Hanning et al. (2006) reicht das Polieren nicht aus, um die Füllungsoberflächen wieder zu härten. Der Befürchtung, dass durch den Kontakt mit Wasserstoffperoxid aus Bleachingmitteln bei Amalgamfüllungen verstärkt Quecksilber freigesetzt wird (Rotstein et al. 2004), widerspricht eine Studie von Al-Salehi (2005). Die Freisetzung nach der Behandlung mit zehnprozentigem Carbamid-Peroxid oder mit einem Placebo-Gel war zwar leicht erhöht, der Anstieg war aber statistisch nicht signifikant. Besondere Beachtung gilt vorhandenen provisorischen Kronen und Brückenmaterialien aus methacrylathaltigen Kunststoffen, da diese Materialien bei Kontakt mit einem Bleichgel zu einer Gelblichverfärbung neigen. Vorhandene Zahnfüllungen oder Verblendkronen und -brücken lassen sich nicht nicht, oder kaum aufhellen. Deshalb sollte eine Bleichtherapie vor der endgültigen Versorgung mit Füllungen oder Zahnersatz durchgeführt werden.
Immer wieder findet man in Zeitungen und Zeitschriften Berichte über die erfolgreiche Anwendung von "High-Tech“-Aufhellungsmethoden. Beinahme marktschreierisch werden da "revolutionäre“ Bleaching-Verfahren angepriesen. Bei diesen Verfahren, die nur in der Zahnarztpraxis angewendet werden, wird der der Bleichvorgang mit Licht (z.B. UV-Licht oder Laser) und Wärme beschleunigt ("Powerbleaching“). Aber, ist diese Technologie nicht nur teurer, sondern auch wirklich besser und schonender wie es Prof. Andreas Moritz von der Wiener Universitätszahnklinik anlässlich des internationalen Kongresses für Laserforschung in der Zahnmedizin in Barcelona (19. - 21. Mai 2005) der staunenden Fachwelt präsentierte? (siehe auch: Herkömliches Bleaching ist gefährlich). Bei Powerbleaching-Verfahren wird ein Teil des Lichtes vom Bleichgel absorbiert und in Wärme umgewandelt. Diese Wärme unterstützt zwar den Bleichvorgang, führt aber auch dazu, dass verstärkt Peroxide aus dem Bleichmittel in den Zahnnerv (Pulpa) gelangen und der Nerv erwärmt wird. Die Erwärmung ist nicht unerheblich. Sie beträgt bei Laseranwendung (Diodenlaser, 30 s, 3 W, 830 nm) etwa 8 Grad Celsius (Baik et al. 2001, Eldeniz et al. 2005, Suliemann et al. 2005). Ob dies schädlich ist, kann zurzeit nicht abschließend geklärt werden, da entsprechende Studien fehlen. Allerdings ist bekannt, dass im Tierexperiment bereits eine Temperaturerhöhung des Zahnnervs von 5,5 Grad bei 15 Prozent der Versuchstiere zu einem irreparablen Pulpaschaden führt (Zach, L., Cohen, G. 1965). Ob der Aufhellungseffekt durch die zusätzliche Hitzeaktivierung erhöht oder beschleunigt wird, lässt sich aufgrund der vorliegenden Datenlage nicht beurteilen. So liegen zwar Studien vor, die eine Verstärkung der Aufhellung beobachten. Diesen Untersuchungen steht allerdings die Studie von Jones et al. (1999) gegenüber, in der keine verbesserte Wirkung durch eine Laseraktivierung eintrat. Ähnliches stellten norwegische Wissenschaftler in Bezug auf den Nutzen von UV-Licht fest. Ihrer Ansicht nach tragen UV-Lichtquellen nicht zur Verbesserung des Bleachings bei. Im Gegenteil: Die Zähne werden sogar anfälliger für mechanische Belastung. Außerdem drohen Gesundheitsrisiken für die bestrahlte Haut und die Augen, wenn der Patient beim Bleaching nicht korrekt vor der UV-Bestrahlung geschützt wird. Die Autoren raten deshalb von einer Anwendung von Bleichlampen ab (Bruzell et al. 2009).
Da sich der Bleichvorgang über einen längeren Zeitraum erstreckt, hat man ihn im amerikanischen Schrifttum als "Walking-Bleach-Technik" bezeichnet. In verschiedenen experimentellen Untersuchungen konnte belegt werden, dass bei der "Walking-Bleach“-Technik hochkonzentrierte Wasserstoffperoxide oder die Anwendung von Hitze das Auftreten von Schäden an der Zahnhartsubstanz, z. B. zervikale Resorptionen, begünstigen (Friedman et al. 1988; Heithersay et al. 1994; Heithersay 1999). Die Mechanismen, die diese Schäden verursachen, sind nicht hinreichend geklärt.
Mit den klassischen Systemen zur Zahnaufhellung, zum Beispiel der Schienenbleichung, lassen sich gute Aufhellungsergebnisse erzielen. Die Ergebnisse dieser Verfahren sind den Anwendungen in der Praxis durchaus vergleichbar, benötigen aber einen höheren Zeitaufwand. Der größere Zeitaufwand wird allerdings durch den niedrigeren Preis relativiert (ca. 200 - 300 Euro in der Zahnarztpraxis, ca. 40 Euro bei der Heimanwendung mit frei verkäuflichen Bleichmitteln). Hitzeaktivierte Aufhellungsverfahren ("Powerbleaching“) können den Zahnnerv schädigen. Ihre bessere Wirksamkeit ist nicht in jedem Fall sichergestellt. Die Verwendung hitzeaktivierter Verfahren sollte daher kritisch abgewogen werden. Die Kosten für dieses Power-Verfahren liegen bei 500 bis 600 Euro. Bleichverfahren sind zahnärztliche Maßnahmen und verlangen nach einer korrekten Indikationsstellung. Mit anderen Worten: Vor einer Beichbehandlung sollte in jedem Fall eine zahnärztliche Untersuchung stattfinden (Attin et al. 2008), und auch die Heimanwendung von Bleichpräparaten sollte vom Zahnarzt betreut werden. Dauerhafte Schäden an Mundschleimhaut oder der Zahnhartsubstanz sind bei Berücksichtigung der Indikation und der korrekten Durchführung der Bleichtherapie mit carbamidperoxidhaltigen Gelen, auf Grund der umfangreichen Untersuchung, nicht zu erwarten. Eine Angabe über die Dauer der Aufhellung ist nicht möglich, da das Langzeitergebnis abhängig vom Alter des Patienten und dessen Zahnstruktur, sowie von äußeren Einflüssen wie z. B. Nikotin, ist. Eine erneute Therapie ist möglich.
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