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Rund 30% der Bevölkerung leiden an Allergien. Foto: ©mkrberlin-Fotolia.com 
Rund 30% der Bevölkerung leiden an Allergien - mit steigender Tendenz.
Foto: © mkrberlin-Fotolia.com.

Schon heute leidet fast jeder Dritte an einer Allergien. Künftig dürften es sogar noch mehr werden. Unter einer Allergie versteht man eine verstärkte immunologische Abwehrreaktion des Körpers gegen bestimmte Stoffe (z. B. Nickel), die über das normale Maß hinausgeht. Bei einer Allergie handelt es sich also um eine krankmachende Überempfindlichkeit. Durch einen wiederholten Kontakt mit einem bestimmten Stoff kann es zu einer erhöhten Empfindlichkeit (Sensibilisierung) gegen diesen Stoff kommen. Allergische Erkrankungen umfassen ein breites Spektrum an Erscheinungsformen. Dazu gehört der saisonale oder auch ganzjährig auftretende Schnupfen („Heuschnupfen“), die Nesselsucht, das Asthma bronchiale, eine allergische Entzündung der Lungenbläschen (allergische Alveolitis, „Farmerlunge“ oder auch „Vogelhalterlunge“), das Kontaktekzem und das atopische Hautekzem (Neurodermitis).

Prinzipiell läuft eine allergische Reaktion in zwei Phasen ab. Zunächst kommt es beim Erstkontakt mit der die Allergie auslösenden Substanz (Allergen) zu einer – meist beschwerdefreien – Phase der Sensibilisierung. Bei einem folgenden, erneuten Kontakt kommt es zu einer zweiten Immunreaktion, die entsprechende Krankheitserscheinungen hervorruft. Bei der Auslösung einer Allergie spielen Lymphozyten eine große Rolle. Lymphozyten, die zu den sogenannten „weißen Blutkörperchen“ (Leukozyten) gehören, sind Bestandteile des Blutes. Die Auseinandersetzung mit Fremdstoffen und Infektionserregern gehört zur normalen Entwicklung unseres Immunsystems. Während der Kontakt mit Infektionserregern zu einer gesunden Abwehr führt, ist die Auseinandersetzung mit Fremdstoffen für eine immunologischen Toleranz wichtig. Es wird angenommen, dass die Entstehung von Allergien auf einer Störung der Entwicklung und des Erhalts der immunologischen Toleranz beruht.
 
Der Nachweis einer Allergie kann durch Laboruntersuchungen, wie dem Nachweis spezifischer Antikörper oder Abwehrzellen im Blut, oder durch direkte Testverfahren (Allergietests) erfolgen. Als Standarduntersuchung hat sich der Hauttest (Epikutantest) bewährt. Bei einem Hauttest werden Allergenextrakte bzw. allergenhaltiges Material auf verschiedene Weisen mit der Haut in Kontakt gebracht. Besteht eine Allergie, so zeigen sich lokale Reaktionen.
 

Allergie auf zahnärztliche Materialien

Durch das Tragen von Piercings in jungen Jahren kann es im Erwachsenenalter zu einer Nickelallergie kommen. Foto: © YBond - Fotolia.com.   
Durch das Tragen von Piercings in jungen Jahren kann es
im Erwachsenenalter zu einer Nickelallergie kommen.
Foto: © YBond - Fotolia.com.
 

Auch Materialien, die bei der zahnärztlichen Behandlung verwendet werden, können Allergien auslösen. Hinzu kommt, dass der Grundstein für bestimmte Allergien, beispielsweise Nickelallergien, oft bereits in jungen Jahren durch direkten Hautkontakt von Modeschmuck oder Jeansknöpfen gelegt wird. Denn viele dieser Gegenstände bestehen aus Legierungen mit einem hohen Nickelgehalt. Auch ein Zusammenhang der Zunahme von Piercings mit der Ausbildung der Sensibilisierung gegenüber Nickel ist wahrscheinlich. So ist es nicht verwunderlich, dass Nickel der häufigste Auslöser für Kontaktallergien ist. Schätzungsweise leiden allein in Deutschland 2 bis 4 Millionen Menschen an einer Nickelallergie. Etwa 17% der weiblichen Bevölkerung sind bereits gegen Nickel sensibilisiert und somit bei Versorgung mit Nickellegierungen gefährdet. Da in der Zahnmedizin Nickel teilweise als Basismetall für Dentallegierungen und als Zusatz für  Lote dient, sind Allergien nicht ausgeschlossen.   

Bei Verdacht einer Allergie auf ein zahnmedizinische Material sollte der Nachweis der Allergie durch einen erfahrenen Allergologen in enger Zusammenarbeit mit dem Zahnarzt durchgeführt werden. Der Zahnarzt sollte Informationen über die möglichen allergenen Werkstoffe und deren Zusammensetzung an den Allergologen weitergeben. Für die Prüfung der Sensibilisierung wird meist ein sogenannter Epikutantest - also Pflaster- oder Patchtest - durchgeführt. Testsubstanzen (z. B. Lösungen von Salzen oder Prüfkörper der Legierung) werden auf den Rücken aufgebracht, und über einen Zeitraum von drei Tagen wird täglich geprüft, ob sich Hautveränderungen wie Rötungen, Pusteln etc. zeigen. Die Ablesung über drei Tage hinweg ist wichtig, denn die zeitliche Veränderung gibt Informationen darüber, ob es sich um eine toxische oder um eine allergische Reaktion handelt. Wird nur zu einem Zeitpunkt abgelesen, ist der Test wertlos (DDG/DGAKI 2007). Während bei einer toxischen Reaktion die Intensität der Veränderungen im Laufe der Zeit abnimmt, nimmt sie bei einer Allergie beziehungsweise Sensibilisierung zu. Damit der Stoff in die Haut dringen kann, werden Metalle meist in Form von Salzen geprüft. So wird beispielsweise mit Kobaltchlorid eine Sensibilisierung gegenüber Kobalt geprüft. Ist eine Sensibilisierung gegenüber Kobalt nachgewiesen, dürfen keine kobalthaltigen Legierungen verwendet werden (DZW Zahntechnik 8-9/2009).

Der Berufsverband der in Deutschland tätigen Umweltmediziner (dbu) hat eine Stellungnahme veröffentlicht, in der er darauf hinweist, dass eine Sensibilisierung gegen eine bestimmte Substanz nicht zwingend mit einer örtlich begrenzten Reaktion (Lokalreaktion) an der Mundschleimhaut einhergehen muss, zumal die Mundschleimhaut auf Grund ihrer Besonderheit weniger zu Entzündungen oder anderen lokalen Reaktionen neigt (dbu 2006).


Keine prophetische Testung

Um mögliche allergische Reaktionen zu vermeiden, wünschen Patienten bei umfangreichen Zahnersatz oft bereits im Vorfeld der Behandlung eine Allergietestung, ohne dass klinische Anhaltspunkte für eine Allergie vorliegen (prophetische Testung). Die Deutsche Kontaktallergie-Gruppe der Deutschen Gesellschaft für Dermatologie lehnt eine prophetische Testung jedoch ab, da eine solche Testung keine Garantie dafür ist, dass nicht kurz darauf eine Sensibilisierung auftritt. Die vom Patienten erhoffte erhöhte Sicherheit ist also nicht möglich. Außerdem vertragen viele Patienten mit einer positiven Hauttestung ohne Beschwerden entsprechende Werkstoffe im Mund. Außerdem kann es durch die Testung selbst zu einer Sensibilisierung kommen. Die Indikation für eine Allergietestung (meist Epikutantest) muss daher sehr sorgfältig gestellt werden. Auch neuere Testverfahren wie der Lymphozytentransformationstest (LTT) sind bislang nicht von den zuständigen Fachgesellschaften anerkannt worden (Schmalz/ Garhammer 2007).

Ist eine Allergie (Sensibilisierung) gegen einen Werkstoff nachgewiesen, muss ein ein als verträglich ermittelter Werkstoff gewählt werden, auch wenn dieser teurer ist (Weibler/Zieres 2004). Allerdings erhöht sich hierdurch bei Zahnersatz nicht der Festzuschuss der Krankenkassen. Gesetzlich Versicherte müssen bei einem Zahnersatz zusätzliche Kosten, die wegen einer nachgewiesen Allergie anfallen, grundsätzlich selbst tragen. Dies geht aus der Antwort der Bundesregierung (16/13565) auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke (16/13339) hervor. Lediglich in bestimmten Härtefällen kommen die Krankenkassen in aller Regel für die Mehrkosten auf. Zu beachten sei allerdings, dass die Krankenkassen diese Zusatzkosten "nur insoweit übernehmen, als darin keine Mehrkosten für Edelmetalllegierungen enthalten sind".


Fachgesellschaften und weitere Adressen im Internet

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Wissenschaftliche Stellungnahmen der Fachgesellschaften

Die zuständigen wissenschaftlichen Fachgesellschaften geben zu bestimmten Themen wissenschaftliche Stellungnahmen heraus. Bevor ein Text als offizielle Stellungnahme veröffentlicht wird, wird er sowohl von Fachvertretern und dem Vorstand der jeweils betroffenen Fachgruppierung kontrolliert. Nach Veröffentlichung überprüfen die Fachgesellschaften mit Hilfe einer Checkliste im regelmässig die Aktualität der Stellungnahmen.

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        Wissenschaftliche Stellungnahmen der Fachgesellschaften zu diesem Thema

Literatur
Deutscher Berufsverband der Umweltmediziner (dbu): Bedeutung von Epikutantest und Lymphozytentransformationstest für die Diagnostik von Typ IV-Sensibilisierungen. Stellungnahme des Deutschen Berufsverbandes der Umweltmediziner. J Lab Med 2/2006: 101-106. (Volltext).
Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG)/Deutschen Gesellschaft für Allergie und klinische Immunologie (DGAKI): Durchführung des Epikutantests mit Kontaktallergenen. Leitlinie 2007. (Volltext).
Weibler, U., Zieres, G. (Hrsg.): Ratgeber Zahnersatz. Iatros, Nierstein (2004): 159.
DZW Zahntechnik: Sind Allergien heute noch ein besonderes Problem? 8-9/2009: 16-18. (Volltext).
Schmalz, G., Garhammer, P.: Wenn der Werkstoff zum Risiko wird – Diagnostik und Wechselwirkungen. Quintessenz 58 (11): 1163-1168 (2007). (Zusammenfassung).

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Dieser Beitrag wurde von den im Impressum unter "Redaktion" genannten Zahnärzten und zahnmedizinischen Fachkräften erstellt und vom Schlussredaktionsteam didaktisch überarbeitet.
Datum der Erstellung: 02.04.2010, letzten Änderung: 02.04.2010, letzte Überprüfung: 02.04.2010. 



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