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Ein Biss in den Apfel schmerzt bei Ihnen? Selbst das Gähnen tut weh oder es knackt beim Öffnen und Schließen? Vielleicht sogar so laut, dass es von Nebenstehenden gehört wird? Willkommen im Club. Denn wahrscheinlich liegt bei Ihnen eine Erkrankung des Kiefergelenks vor. Allein schon statistisch nicht ganz unwahrscheinlich. Denn nach verschiedenen Studien weisen mehr als 50% aller Menschen Zeichen einer Kiefergelenkstörung (craniomandibuläre Dysfunktion = CMD) auf. Zum Glück haben die meisten Störungen keinen Krankheitswert, da sie so gering sind, dass der Betroffene sie gar nicht wahrnimmt. Der Anteil der vom Patienten selbst bemerkten Kiefergelenkstörungen liegt bei etwa 20%. Für rund 5% sind die Funktionsstörung und die damit verbundenen Beschwerden aber so stark, dass sie einen Arzt oder Zahnarzt aufsuchen. Es gibt eine Vielzahl von Ursachen, die Kiefergelenkbeschwerden auslösen können. Neben einem Unfall können Zähneknirschen (Bruxismus) oder Zähnepressen, aber auch vorausgegangene kieferorthopädische oder zahnprothetische Behandlungen als Grund in Frage kommen. Vor allem das Zähneknirschen oder Zähnepressen, das meistens während des Schlafens stattfindet, ist eine häufige Ursache. Es kommt zu Verspannungen der Muskulatur, zu Schmerzen und zu einer erhöhten Abnutzung der Zähne. Dabei betrifft die Verspannung der Muskulatur nicht nur die Kaumuskeln. Da die Kaumuskulatur mit der übrigen Kopf- und Nackenmuskulatur eng verbunden ist, werden auch diese Muskeln beim Knirschen und Pressen angespannt, was zu Schläfenkopfschmerzen und Nacken- und Schulterverspannungen führen kann. Ja, der Schmerz kann sogar bis in die unteren Rückenbereiche (Lendenmuskulatur) ausstrahlen (Künkel 1998). Während das Zähnepressen lautlos vonstatten geht, erzeugt das Knirschen heftige Geräusche. Dennoch, die meisten Menschen registrieren nicht, dass sie mit den Zähnen knirschen. Schließlich ist es eine überwiegend unbewußt ablaufende Gewohnheit wie das Nägelbeißen (Künkel 1998). Meist macht einen der Lebenspartner auf diese sogenannte Parafunktion (= abweichend von der normalen Funktion) aufmerksam. Man selbst merkt es nur an schmerzhaften Verspannungen oder Kopfschmerzen. Kein Wunder, dass es schmerzt. Schließlich haben bei normaler Funktion die Zähne innerhalb eines Tages nur für etwa 30 Minuten direkten Kontakt miteinander. Bei Knirschern oder Pressern ist es weitaus mehr. Die Ursachen für das Knirschen und Pressen können sehr unterschiedlich sein. Meist liegen sie aber im Zahnbereich. Gleithindernisse, z. B. als Folge von zu hohen oder zu tiefen Füllungen, Kronen, Brücken oder Prothesen sowie Zahnfehlstellungen können ebenso auslösende Faktoren für diese Parafunktionen sein, als auch psychosoziale Überbelastungen in der Familie oder im Beruf, die dazu zwingen, den Stress über die Zähne abzubauen. Denken Sie nur an das Sprichwort "Die Zähne zusammenbeißen". Was kann man tun? Bei Kiefergelenkbeschwerden muss Ihr Zahnarzt zunächst das Kiefergelenk, die Kaumuskulatur und die Zähne genau kontrollieren. Hinzu kommt eine Untersuchung der Nacken-, Hals- und Schultermuskulatur. Mit einer speziellen Technik werden dann die Kiefergelenkbewegungen aufgezeichnet und die Gebissmodelle analysiert. Entsprechend der Befunde gibt es verschiedene Therapiemaßnahmen. Massagen und Verhaltensänderung helfen Wird als Auslöser der Beschwerden Stress oder eine Verspannung vermutet, helfen spezielle Übungen die Kaumuskulatur zu entspannen und die Kiefer in einer lockeren Stellung zu behalten. Auerdem kann eine Umstellung der Ernährungsgewohnheiten eine gewisse Linderung bewirken. Harte, zähe oder klebrige Speisen sollten Sie vermeiden, vor allen Kaugummi. Zur Linderung der Beschwerden tragen Massagen, Bewegungsübungen oder leichtes Stretching bei. Während Wärme bei der Verspannung der Kaumuskulatur geeignet ist, hilft Kälte bei Schmerzen. Sowohl zur Stressbewältigung als auch zur muskulären Entspannung sind autogenes Training, Yoga oder Hypnose hilfreich. Reichen diese Entspannungsverfahren nicht aus, sind mitunter tiefgreifende Verhaltensänderungen erforderlich. Dies sollte unter Anleitung eines in der psychologischen Schmerztherapie erfahrenen Psychologen geschehen. Knirscherschienen als Therapie - Schmerzmittel manchmal nötig Eine weitere Therapie besteht in der Eingliederung von herausnehmbaren Kunststoffschienen, um die Stellung des Kiefergelenks günstig zu beeinflussen und das Kausystem zu entlasten. Die hohe Erfolgsrate der Schienentherapie ist in unzähligen wissenschaftlichen Studien gut dokumentiert. Zusätzlich dient die Schiene als Schutz der Zähne bei starken „Knirschern“. Begleitende Maßnahmen zur Schienentherapie sind Entspannungsübungen, Massagen und Muskelübungen. Vor allem in der akuten Phase ist die Anwendung von Medikamenten zur schnellen Schmerzbeseitigung häufig unumgänglich. Neben Schmerzmitteln (Analgetika) und Entspannungsmitteln (Relaxantien) werden hierbei auch nichtsteroidale entzündungshemmend Medikamente (Antiphlogistika) eingesetzt. Die medikamentöse Therapie ist in den meisten Fällen aber nur Teil eines Therapie-Gesamtkonzeptes. Da eine Behandlung mit Medikamenten nicht ohne Risiko ist, sollte der verordnende Arzt oder Zahnarzt über ein gutes Wissen hinsichtlich dieser Therapie verfügen (Stellungnahme DGZMK). Vorsicht bei Einschleifmaßnahmen und prothetischer Neuversorgung Mit einem systematischen Einschleifen der natürlichen Zähne sollte – wenn überhaupt - erst begonnen werden, wenn durch eine vorangehende Funktionsanalyse und eine Schienentherapie zweifelsfrei nachgewiesen wurde, dass eine Veränderung des Bisses durch Beschleifen der Zähne zu einer Besserung führt. Das gleiche gilt für die Neuversorgung des Gebisses mit Kronen, Brücken oder umfangreichen Teilprothesen. Fachgesellschaften und weitere Adressen im Internet Im Internet finden Sie weitere Informationen. Einige Adressen haben wir für Sie zusammengestellt. Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf hin, dass wir keine Verantwortung für die Inhalte der gelinkten Web-Seiten sowie deren Verknüpfungen zu anderen Web-Seiten übernehmen können.
Die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) gibt zu bestimmten Themen der Zahnheilkunde wissenschaftliche Stellungnahmen heraus. Bevor ein Text als offizielle Stellungnahme der DGZMK veröffentlicht wird, wird er sowohl von Fachvertretern und dem Vorstand der jeweils betroffenen Fachgruppierung als auch vom Vorstand der DGZMK kontrolliert. Nach Veröffentlichung überprüfen die Fachgesellschaften mit Hilfe einer Checkliste im regelmässig die Aktualität der Stellungnahmen. Zum Betrachten und Ausdrucken der Stellungnahmen benötigen Sie den Adobe Acrobat Reader.
Literatur: Künkel, A., Künkel, K.: Total zerknirscht? Ursachen, Folgen und Therapie des Zähneknirschens. Frankfurt/M. (1998), Verlag Neue Wissenschaft. _________________________________________________________________________________________________ |
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