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Offener Biss
Als frontal offener Biss versteht man das fehlende vertikale Überlappen der Schneidekanten von den oberen und unteren Frontzähnen. Beim Zusammenbeißen zeigt sich folglich eine deutliche Lücke zwischen den Zähnen. Als seitlich offener Biss wird eine Lücke zwischen den Backenzähnen des Ober- und Unterkiefers bezeichnet. In beiden Fällen kann der Patient nicht richtig abbeißen und/oder kauen.

Durch wissenschaftliche Untersuchungen konnte herausgefunden werden, dass es mehrere Faktoren gibt, die eine Entstehung des offenen Bisses begünstigen. Hierzu zählen vorwiegend genetische Komponenten, anhaltendes Daumenlutschen, ein falsches Schluckmuster, Zungenpressen und die gewohnheitsmäßige Mundatmung (siehe Vorsorgemaßnahmen).

Grundsätzlich stellt der offene Biss eine aus kieferorthopädischer Sicht therapiebedürftige Diagnose dar (siehe KIG-Tabelle), um die eingeschränkte Kau- und Abbeißfunktion zu verbessern. Stark offene Bisse können den Lippenschluss erschweren und somit Lispeln oder andere Sprachstörungen hervorrufen. Das erste Behandlungsziel sollte das Abstellen der oben genannten Angewohnheiten sein. Ohne das Ausschalten der ungünstigen Weichgewebseinflüsse (Zunge, Wangen und Lippen), der Umstellung auf Nasenatmung und dem Erlernen eines anderen Schluckmusters wird eine erfolgreiche Therapie schwierig. Häufig werden für diesen Schritt Logopäden herangezogen, die mit dem Patienten neue Bewegungsmuster einüben und somit die Umgewöhnung erleichtern. Eine Zusammenarbeit von mindestens zehn Sitzungen erscheint hier sinnvoll.

Je nach Alter des Patienten und Größe des Ausmaßes sind weiterhin verschiedene Therapiemöglichkeiten vertretbar. Im Allgemeinen gibt es zwei Ansatzpunkte. Zu einen kann das vertikale Wachstum des Oberkiefers gehemmt werden, um eine weitere Öffnung des Bisses zu verhindern, d.h. die natürlichen Wachstumsprozesse werden abgeschwächt. Dieser Ansatz ist nur bei Patienten in der Wachstumsphase, bei Kindern- und Jugendlichen, möglich. Zum anderen werden die Zähne gezielt in der Länge verändert. Je Lokalisation des offenen Bisses können sowohl Front- als auch Backenzähne „verlängert (extrudiert) oder „verkürzt“ (intrudiert) werden. Solche Maßnahmen sind auch später im erwachsenen Alter durchführbar. In ausgeprägten Fällen reicht die kieferorthopädische Behandlung allein nicht mehr aus. Dann müssen Kombinationen mit chirurgischen Maßnahmen in Erwägung gezogen werden. Zudem kann es in manchen Fällen hilfreich sein, bleibende Seitenzähne im hinteren Bereich zu opfern, um eine absenkende Wirkung des Bisses zu erzielen.

Therapiemöglichkeiten bei Kindern und Jugendlichen im Wachstum:
a) Abschirmgeräte für die Zunge
    → Spike Apparatur
b) Herausnehmbare Spangen → Funktionskieferorthopädische Geräte
    → Seitliche Aufbissbehelfe (Bite-blocks)
c) Herausnehmbare Spangen in Kombination mit extraoralen Geräten
    → Teuscher-Aktivator in Kombination mit einem High-pull Headgear
d) Multibracketapparatur („feste Spange“)
e) Extraktion von Backenzähnen zum Absenken des Bisses


Therapiemöglichkeiten bei erwachsenen Patienten:
a) Abschirmgeräte für die Zunge → Spike Apparatur
b) Multibracketapparatur
c) Multibracketapparatur in Kombination mit chirurgischen Maßnahmen zum Schluss des Bisses
d) Extraktion von Backenzähnen zum Absenken des Bisses

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Dieser Beitrag wurde von den im Impressum unter "Redaktion" genannten Zahnärzten und zahnmedizinischen Fachkräften erstellt und vom Schlussredaktionsteam didaktisch überarbeitet.
Datum der Erstellung: 19.03.2011, letzten Änderung: 19.03.2011, letzte Überprüfung: 19.03.2011. 



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