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Warnsignal Schmerz

 

Es gibt viele Ursachen, warum Zahnschmerzen entstehen. Foto: © soschoenbistdu – Fotolia.com.









Normalerweise spüren wir unsere Zähne nicht. Tag für Tag verrichten sie klaglos ihre Arbeit, beschweren sich weder über heißes Essen noch über kaltes Trinken. Schon ein kleines Wunder! Dennoch kommt es vor, dass sich ein Zahn „meldet“. Im wahrsten Sinne des Wortes. Denn Zahnschmerzen können in der Tat „höllisch“ werden, und man glaubt, die Wände hoch gehen zu müssen. Es gibt viele Ursachen, warum Zahnschmerzen entstehen. Nicht nur Karies, auch eine Zahnfleisch- oder eine Zahnwurzelentzündung (Zahnabszeß) oder der Durchbruch eines Weisheitszahnes kann Schmerzen auslösen. Selbst bei Flugreisen, beim Tauchen oder bei Bergtouren kann es, bedingt durch den erhöhten Druck und einer bisher unbekannten Karies, plötzlich zu starken Zahnschmerzen kommen.

Wer bei Zahnschmerzen angebliche Tapferkeit zeigt, um sich in Wirklichkeit den Weg zum Zahnarzt zu ersparen, tut sich nichts Gutes. Denn der Schmerz ist ein Warnsignal des Körpers. Unbeachtet wird Schaden nur größer, kann sogar im schlimmsten Fall nicht mehr repariert werden. Am Anfang sind die Schmerzen noch gering. Vielleicht nur ein leichtes „Ziehen“ bei heißem Kaffee oder bei etwas Süßem. Manchmal vergehen die Beschwerden sogar nach einigen Wochen. Eine trügerische Ruhe, denn der Schaden, beispielsweise Karies unter einer alten Füllung, besteht weiter und wird sich wieder bemerkbar machen. Dann aber mit stärkeren Schmerzen. Mit wild pochendem Dauerschmerz meldet sich der kranke Zahn zurück. Der Zahnnerv ist akut entzündet. Der Zahnarzt spricht von einer „Pulpitis“.

Zahnschmerzen sollten Sie auf keinen Fall über einen längeren Zeitraum mit Schmerzmitteln selbst behandeln. Foto: © Jostein Hauge. Fotolia.com.                      Wird hier der Zahnschmerz ignoriert, kann sich die Entündung im Kieferknochen ausbreiten. 
Zahnschmerzen sollten Sie auf keinen Fall über einen längeren Zeitraum mit Schmerzmitteln selbst behandeln. Foto: © Jostein Hauge. Fotolia.com.
 
            Wird der Zahnschmerz ignoriert, kann sich die Entündung im Kieferknochen ausbreiten.
 

Wenn jetzt nicht sofort der Zahnarzt einschreitet, stirbt der Zahnnerv ab und die Entzündung breitet sich in den Kieferknochen aus. Der Knochen löst sich auf, die Backe rötet sich und schwillt an, die Lymphknoten vergrößern sich und der Zahn scheint sich zu verlängern. Selbst behandeln können Sie den Schaden nicht. Es genügt daher auch nicht, dass Sie den Schmerz mit starken schmerzstillenden Medikamenten bekämpfen.
 

Erste Hilfe bei Zahnschmerzen

Nicht immer ist sofort ein Zahnarzt  erreichbar, um Ihnen zu helfen. Als erste Maßnahme bei Zahnschmerzen können Sie einen feuchten Lappen oder einen Eisbeutel auflegen. Gut geeignet sind Gelpackungen, die im Kühlschrank auf entsprechende Temperatur gebracht werden. Auch das Zerkauen einer Gewürznelke kann kurfristig die Beschwerden etwas lindern, die Ursache wird jedoch nicht beseitigt! Alkohol, Koffein, Nikotin, Teein und Wärme sollten Sie vermeiden, da sie die Schmerzen nur verstärken. Ist kurzfristig kein Zahnarzt erreichbar, hilft die Einnahme eines Schmerzmittels (z.B. mit Acetylsalicylsäure, Ibuprofen oder Paracetamol). Wenn Sie allerdings schon damit rechnen, dass ein chirurgischer Eingriff, beispielsweise das Ziehen des schmerzenden Zahnes zu erwarten ist, sollten keine Acetylsalicylsäurepräparate eingenommen werden, da sie eine erhöhte Blutungsgefahr bewirken.

Keiner gesonderten Erwähnung bedarf es, dass schnellstens ein Zahnarzt aufgesucht werden sollte. Die Abklärung der Ursachen für die Schmerzen ist oberstes Gebot, in erster Linie um den Zahn behandeln zu lassen und um eine Verschlimmerung der Beschwerden  zu verhindern.

Sicherlich: Zahnschmerz ist äußerst unangenehm. Aber in der modernen Zahnmedizin gibt es viele Möglichkeiten, den Schmerz und vor allem die Ursache zu beseitigen. Ganz anders sah das noch zu Zeiten des Zeichners und Dichters Wilhelm Buschs aus. Da zu jener Zeit noch keine systematische zahnärztliche Betreuung erfolgte, ging man erst bei Zahnschmerzen zum Zahnarzt. Aufgrund der damals noch begrenzten Behandlungsmöglichkeiten bestand die Therapie dann meist im Zahnziehen.
Sehr anschaulich beschreibt Busch in seinen Bildergeschichten "Balduin Bählamm, der verhinderte Dichter" und „Der hohle Zahn“ die Auswirkungen von Zahnschmerzen auf die psyche des Patienten.

Balduin Bählamm
Das Zahnweh subjektiv genommen,
Ist ohne Zweifel unwillkommen;
Doch hat's die gute Eigenschaft,
Daß sich dabei die Lebenskraft,
Die man nach außen oft verschwendet,
Auf einen Punkt nach innen wendet
Und hier energisch konzentriert.
Kaum wird der erste Stich verspürt,
Kaum fühlt man das bekannte Bohren,
Das Rucken, Zucken und Rumoren -
Und aus ist's mit der Weltgeschichte,
Vergessen sind die Kursberichte,
Die Steuern und das Einmaleins,
Kurz, jede Form gewohnten Seins,
Die sonst real erscheint und wichtig,
Wird plötzlich wesenlos und nichtig.
Ja, selbst die alte Liebe rostet -
Man weiß nicht, was die Butter kostet -
Denn einzig in der engen Höhle
Des Backenzahnes weilt die Seele,
Und unter Toben und Gesaus
Reift der Entschluß: Er muß heraus!!
  Laßt sehn! Ja, ja! Das glaub' ich wohl! Der ist ja in der Wurzel hohl!  


Der hohle Zahn
Oftmalen bringt ein harter Brocken
Des Mahles Freude sehr ins Stocken.
So geht´s nun auch dem Friedrich Kracke;
Er sitzt ganz krumm und hält die Backe.
Um seine Ruhe ist´s getan;
Er biß sich auf den hohlen Zahn.
Nun sagt man zwar: es hilft der Rauch!
Und Friedrich Kracke tut es auch.
Allein schon treiben ihn die Nöten,
mit Schnaps des Zahnes Nerv zu töten.
Er taucht den Kopf mitsamt dem Übel
In einen kalten Wasserkübel.
Jedoch das Übel will nicht weichen,
Auf andre Art will er´s erreichen.
Umsonst! - Er schlägt, vom Schmerz bedrängt,
Die Frau, die einzuheizen denkt.
Auch zieht ein Pflaster hinterm Ohr
Die Schmerzen leider nicht hervor.
»Vielleicht« - so denkt er »wird das Schwitzen
Möglicherweise etwas nützen.«
Indes die Hitze wird zu groß,
Er strampelt sich schon wieder los;
Und zappelnd mit den Beinen,
Hört man ihn bitter weinen.
Jetzt sucht er unterm Bette
Umsonst die Ruhestätte.
Zuletzt fällt ihm der Doktor ein.
Er klopft. - Der Doktor ruft: »Herein!«
»Ei, guten Tag, mein lieber Kracke,
Nehmt Platz! Was ist denn mit der Backe?
Laßt sehn! Ja, ja! Das glaub´ ich wohl!
Der ist ja in der Wurzel hohl!«
Nun geht der Doktor still beiseit.
Der Bauer ist nicht sehr erfreut.
Und lächelnd kehrt der Doktor wieder,
Dem Bauern fährt es durch die Glieder.
Ach, wie erschrak er, als er da
Den wohlbekannten Haken sah!
Der Doktor, ruhig und besonnen,
Hat schon bereits sein Werk begonnen.
Und unbewußt nach oben
Fühlt Kracke sich gehoben.
Und rack - rack! - da haben wir den Zahn,
Der so abscheulich weh getan!
Mit Staunen und voll Heiterkeit
Sieht Kracke sich vom Schmerz befreit.
Der Doktor, würdig, wie er war,
Nimmt in Empfang sein Honorar.
Und Friedrich Kracke setzt sich wieder
Vergnügt zum Abendessen nieder.

 

 Ach, wie erschrak er, als er da den wohlbekannten Haken sah!

                          Der Doktor, ruhig und besonnen, hat schon bereits sein Werk begonnen.

                          Und rack - rack! - da haben wir den Zahn, der so abscheulich weh getan!


 


 

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Dieser Beitrag wurde von den im Impressum unter "Redaktion" genannten Zahnärzten und zahnmedizinischen Fachkräften erstellt und vom Schlussredaktionsteam didaktisch überarbeitet.
Datum der Erstellung: 07.01.2009, letzten Änderung: 07.01.2009, letzte Überprüfung: 07.01.2009. 


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