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Kariesrisikotest (Speicheltest)
Lachender Frauenmund, Zungenspitze streichelt über die Frontzähne des Oberkiefers 


        Indikation         Kontraindikation
  • kariesfreies oder saniertes Gebiss
  • Schwangere
  • Kleinkinder
  • Patienten mit kariösen (noch nicht sanierten) Zähnen
  • Patienten mit Antibiotikatherapie
  • Patienten in Behandlung mit festsitzenden kieferorthopädischen Geräten, da sie prinzipiell ein erhöhtes Kariesrisiko haben

Karies wird von Bakterien im Zahnbelag (Plaque) und im Speichel verursacht. Durch einen Speicheltest ist es möglich, die Menge der kariesverursachenden Bakterien (Mutans-Streptokokken und Laktobazillen) zu bestimmen. Damit soll ermöglicht werden, das bei jedem Menschen unterschiedlich ausgeprägte Kariesrisiko individuell festzustellen, noch bevor Schäden an den Zähnen entstehen. Je höher die ermittelte Bakterienzahl ist, desto größer ist das Risiko, an Karies zu erkranken. Der Zahnarzt hat dann die Möglichkeit, frühzeitig Maßnahmen einzuleiten, um die Zähne auch weiter gesund zu erhalten.

Dem Zahnarzt stehen sowohl bakterielle als auch nichtbakterielle Speicheltests zur Verfügung. Nichtbakterielle Speicheltests untersuchen die Speichelmenge (Fließrate) und die Fähigkeit des Speichels, Säuren unschädlich zu machen (Pufferkapazität). Grundannahme hierbei ist, dass eine stark verringerte Speichelmenge oder eine niedrige Pufferkapazität auf ein erhöhtes Kariesrisiko hinweisen. Bakterielle Speicheltests ermitteln das Vorhandensein bestimmter kariesverursachender Bakterien (Mutans-Streptokokken und Laktobazillen).


Durchführung des Speicheltests

Die Durchführung des Speicheltests ist einfach und benötigt wenig Zeit. Durch Kauen auf einem Stück Wachs (Paraffin) für 2 bis 5 Minuten wird die Speichelsekretion angeregt und die Bakterien aus dem Zahnbelag in den Speichel gespült. Anstelle des Wachses kann auch ein Kaugummi verwendet werden. Der Speichel wird in einem Plastikbecher gesammelt. Bei einem bakteriellen Speicheltest wird nun ein Träger mit einem speziellen Nährboden beidseitig mit dem Speichel befeuchtet, in ein spezielles Kulturgefäß gesteckt und für 2 bis 4 Tage im Brutschrank bei 37o C bebrütet. Anschließend wird die Probe mit einer Skala verglichen, auf der den möglichen Erscheinungsbildern eine bestimmte Bakterienzahl zugeordnet ist.

 Das Kariesrisiko des Kindes kann mit speziellen Tests bestimmt werden. Dabei werden z. B. die Beschaffenheit des Speichels und die Anzahl der Bakterien im Speichel ermittelt. 1 = Speichelmenge, 2 = Bakterienbestimmung, 3 = Bestimmung der Milchsäure (= Bakterientest), 4 = Pufferkapazität (Foto: dentimages)   Speichelteststreifen nach der Bebrütung im Brutschrank. Man sieht verschiedene Bebrütungsmuster. 
Das Kariesrisiko des Kindes kann mit speziellen Tests
bestimmt werden. Dabei werden z. B. die Beschaffen-
heit des Speichels und die Anzahl der Bakterien im
Speichel ermittelt. 1 = Speichelmenge, 2 = Bakterien-
bestimmung, 3 = Bestimmung der Milchsäure
(= Bakterientest), 4 = Pufferkapazität.
(Foto: dentimages) 
 

Nach Durchführung des Speicheltests und Bebrütung der
Teststreifen im Brutschrank kann die Anzahl der Bakterien
bestimmt werden. Die Abbildung zeigt drei Teststreifen mit
verschiedenen Bebrütungsmustern.




Während in der Regel bei bakteriellen Speicheltests eine Bebrütung des Teststreifens nötig ist, um die Menge der  kariesauslösenden Bakterien zu bestimmen, gibt es auch Testverfahren, die die von diesen Bakterien freigesetzte Milchsäure, also die Stoffwechselaktivität der Bakterien, messen. Das zeitaufwändige Bebrüten des Teststreifens entfällt hierbei.  
Die Probenentnahme erfolgt mit einem Milchsäure-Indikatorstäbchen auf der Zunge. Das Indikatorstäbchen wird in einen Blister gesteckt, in dem innerhalb von zwei Minuten eine enzymatische Reaktionskette abläuft. Das Teststäbchen reagiert mit einer Einfärbung, die als Indikator für das vorhandene Kariespotenzial dient. Anhand eines neunstufigen Farbschemas wird das Testergebnis und das Kariespotenzial bestimmt. Mit nur einer Messgröße und einer Messung liegt das Testergebnis nach zwei Minuten Reaktionszeit vor.

Speichel-Schnelltest

Mit Clinpro Cario L-Pop, einem  biochemischen Schnelltest von 3M ESPE, ist laut Hersteller das Kariespotenzial eines Patienten einfach und schnell zu bestimmen, auch wenn noch keine Zahnschäden sichtbar sind. Mit nur einer Messgröße und einer Messung liegt das Testergebnis nach zwei Minuten Reaktionszeit vor.

Glaubt man den Herstellern. erlaubt das Ergebnis des Speicheltests eine individuelle, gezielte und wirkungsvolle Reduzierung Ihres persönlichen Kariesrisikos. Somit wäre der Speicheltest ein Glied in der Kette einer erfolgreichen Kariesreduzierung. Diese Aussage muss eingeschränkt werden. Denn, ein positives Testergebnis bedeutet nicht unbedingt, dass mehr Karies in Ihrem Mund entsteht. Denn zur Kariesentstehung gehören nicht nur Bakterien. Weitere Faktoren müssen hinzukommen, damit letztlich ein Zahn kariös wird.

Speicheltestsystem zur Bestimmung der Pufferkapazität des Speichels. Foto: dentimages.    Mit Hilfe einer Pipette wird der Speichel auf einen Teststreifen aufgebracht. Foto: dentimages.    Zum Bestimmen der Pufferkapazität wird die Farbe des Teststreifens mit der Farbkarte verglichen. Foto: dentimages. 
Speicheltestsystem zur Bestimmung der Pufferkapazität des Speichels.
 
  Mit Hilfe einer Pipette wird der Speichel auf einen Teststreifen aufgebracht.
 
  Zum Bestimmen der Pufferkapazität wird die Farbe des Teststreifens mit der Farbkarte verglichen. 
(Fotos: dentimages)


Zur Zeit kein wissenschaftlicher Beleg

In vielen Zahngesundheitspässen für werdende Mütter wird die Theorie der Keimübertragung breit dargestellt und dementsprechend die Bedeutung der Speicheltests betont, obwohl für deren Nutzen keine Beweise (= Evidenz) vorliegen (Deutsche Gesellschaft f. Zahn-, Mund- u. Kieferheilkunde 1994, Strippel 2002). Da werden landauf landab Speicheltests zur Kariesrisikodiagnostik gemacht, während zeitgleich der allseits anerkannten Prophylaxeexperte Professor Einwag dieses Tests für "out" erklärt (zit. in Wörle 2004). Eine wissenschaftlich untermauerte Haltung. Konnte doch belegt werden, dass Kariesrisikotests vorrangig Patienten erkennen, die lediglich ein geringes Risiko haben, an Karies zu erkranken (Ernst et al. 2003, Newbrun et al. 1984, Pinelli et al. 2001).

"Clinpro Cario-L-PRO®-Test: Schlechte Noten." So lautete die Überschrift eines Beitrags im wissenschaftlichen Informationsdienst "Zahnmedizin Report" (7/2006) unter Bezug auf einen Vortrag anlässlich der 20. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Zahnheilkunde in Mainz (11. - 13. Mai 2006). Wissenschaftler der Universität Witten-Herdecke stellten in ihrem Vortrag erste Zwischenergebnisse einer Vier-Jahres-Studie vor (Sibbing et al. 2006). Mit ernüchterndem Ergebnis. Es lässt sich keine Übereinstimmung der Kariesrisikobestimmung mittels des Tests im Vergleich mit der klinischen Bewertung belegen. Ein Jahr später bestätigen Wissenschaftler der Universität Mainz in einer Pilotstudie mit 35 Kindern die Witten-Herdecker-Studie. In seiner Arbeit "Flächenspezifische Früherkennung eines Kariesrisikos"  zieht der Autor das Fazit: "Mit der vorliegenden Untersuchung konnte gezeigt werden, dass 3M ESPE Clinpro Cario Diagnosis (TM) und 3M ESPE Clinpro Cario L-Pop (TM) [...] sich [...] als Instrument in der Hand des Zahnarztes nicht zur Einschätzung eines Kariesrisikos beim Patienten eignen." (Dell 2008, S. 67). Auch in einer weiteren Studie mit 119 Kindern (6 bis 10 Jahre alt) haben die Wissenschaftler der Universität Mainz den prognostischen Wert des Clinpro Cario L-Pop (TM) Kariestest kritisch beurteilt. Ihr Fazit: Die Bestimmung der Milchsäureproduktion auf der Zunge eignet sich höchstens als zusätzlicher Test zur Kariesrisikobestimmung (Azrak et al. 2008). Auch zwei Jahre später konnten die Mainzer Forscher kein günstigeres Urteil abgeben (Azrak et al. 2010).  Zehn, Zwanzig, ja sogar siebzig Euro für einen Test, dessen Aussage scheinbar wenig bis gar nichts bringt? Man muss sich schon genau überlegen, ob sich diese Investion in die Gesundheit wirklich lohnt.


Welche Kosten übernimmt die gesetzliche Krankenkasse?

        Beteiligung durch gesetzl. Krankenkasse
  • Nein, die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen den Speicheltest nicht, er muss also privat bezahlt werden.
    Die Kosten für einen Speicheltest liegen zwischen 60€ und 70€.

 

Wissenschaftliche Stellungnahmen der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde

Die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) gibt zu bestimmten Themen der Zahnheilkunde wissenschaftliche Stellungnahmen heraus. Bevor ein Text als offizielle Stellungnahme der DGZMK veröffentlicht wird, wird er sowohl von Fachvertretern und dem Vorstand der jeweils betroffenen Fachgruppierung als auch vom Vorstand der DGZMK kontrolliert. Nach Veröffentlichung überprüfen die Fachgesellschaften mit Hilfe einer Checkliste im regelmässig die Aktualität der Stellungnahmen.

Zum Betrachten und Ausdrucken der Stellungnahmen benötigen Sie den Adobe Acrobat Reader.

        Wissenschaftliche Stellungnahmen der DGZMK zu diesem Thema
  • keine aktuelle Stellungnahme vorhanden

Quellen:
Azrak, B., Callaway, A., Willershausen, B., Ebadi, S., Gleissner, C.: Comparison of a new chairside test for caries risk assessment with established methods in children; Schweiz Monatsschr Zahnmed (2008) 118: 702-708. (Volltext).
Azrak, B., Gleissner, C., Willershausen, B., Stöcker, JJ, Callaway, A: Accuracy of a chair-side test for predicting caries risk compared with established methods . Schweiz Monatsschr Zahnmed (2010) 120: 409-414. (Volltext).
Dell, M.: Flächenspezifische Früherkennung eines Kariesrisikos. Dissertation, Jena 2005. (Volltext).
Deutsche Gesellschaft f. Zahn-, Mund- u. Kieferheilkunde (DGZMK) 1994: Stellenwert der Speicheldiagnostik im Rahmen der Kariesprävention.
Ernst, C.-P., Hickel, R., Willershausen, B.: Braucht der Zahnarzt einen Kariesrisikotest – und wenn ja, was für einen? Quintessenz 12, 1327-1335 (2003).
Gleissner, C., Azrak, B., Adamus, J., Willershausen, B., Callaway, A.: Kariesrisikobestimmung mit einem neuen Chair-SideTest im Vergleich mit etablierten Methoden; Deutscher Zahnärztetag 2007, Düsseldorf, 21. bis 24. November 2007.
Newbrun, E., Matsukubo, T., Hoover, C.I., Graves, R.C., Brown, A.T.: Comparison of two screening tests for Streptococcus mutans and evaluation of their suitability for mass screenings and private practice. Community Dent Oral Epidemiol 12, 325-331 (1984).
Pinelli, C., Serra, M.C., Loffredo, L.C.: Efficacy of a dip slide test for mutans streptococci in caries risk assessment. Community Dent Oral Epidemiol 29, 443-448 (2001).
Sibbing, A., Lang, T., Gängler, P.: Kariesrisikobestimmungen mit dem Clinpro Cario-L-PRO-Test im Vergleich mit klinischen und radiologischen Parametern. Vortrag auf der 20. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Zahnheilkunde. Mainz vom 11.-13. Mai 2006.
Strippel, H (2002): Fragwürdige "Keimtheorie" – Beispiel Nuckelflaschenkaries. Public Health Forum 10 (35), S. 8-9.
Wörle, P. (2004): "Update" Kariesprophylaxe. Richtige professionelle und häusliche Prophylaxe. Bayerisches Zahnärzteblatt 4/2004, S. 54-55.

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Dieser Beitrag wurde von den im Impressum unter "Redaktion" genannten Zahnärzten und zahnmedizinischen Fachkräften erstellt und vom Schlussredaktionsteam didaktisch überarbeitet.
Datum der Erstellung: 01.02.2003, letzten Änderung: 02.01.2011, letzte Überprüfung: 14.03.2011. 



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