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Verunsicherte Eltern

 

Uneinheitliche Fluoridempfehlung verunsichert Eltern.

Die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) hatte im März 2000 eine Fluoridempfehlung verabschiedet, die fordert, mit dem Durchbruch der ersten Milchzähne die Zähne mit fluoridhaltiger Zahnpasta zu putzen, wobei der Fluoridgehalt zunächst 500ppm betragen soll. Auch die Verwendung von fluoridiertem Speisesalz wird empfohlen. Auf weitere Fluoridgaben, wie z.B. Fluoridtabletten, soll jedoch verzichtet werden (Gülzow et al. 2000). Die DGZMK fordert Kinder- und Zahnärzte gleichzeitig auf, die Eltern dahingehend zu beraten, dass die lokale Fluoridanwendung (z. B. fluoridierte Zahnpasta) der systemischen Fluoridanwendung (z. B. Tablettenfluoridierung) vorzuziehen sei. Fluoridtabletten sollten erst nach gründlicher Befragung der Eltern bezüglich der bereits stattfindender Fluoridierungsmaßnahmen verschrieben werden, sofern keine fluoridhaltige Zahnpasta verwendet und auch kein fluoridiertes Speisesalz zugeführt wird.

Die Deutsche Akademie für Kinderheilkunde und Jugendmedizin (DAKJ) beharrt hingegen in ihrer Empfehlung "Kariesprophylaxe mit Fluoriden" unter anderem deshalb auf der Gabe von Fluoridtabletten, weil die frühe Fluoridprophylaxe mit Tabletten in niedriger Dosierung in Deutschland seit vielen Jahren gut eingeführt sei. Die Verwendung fluoridhaltiger Kinderzahnpasta im Säuglings- und Kleinkindalter wird von der DAKJ generell abgelehnt, weil diese häufig von den Kindern verschluckt wird und deren Inhaltsstoffe nicht für den Verzehr bestimmt sind (DAKJ 2003).


Viele Kinderärzte lehnen fluoridierte Kinderzahnpasta ab.

Die Folgen solcher unabgestimmten Anwendungsempfehlungen haben Trube (2004), Treuner (2010) und Mittelsdorf (2010) beschrieben. Da spricht sich ein Großteil der befragten Kinderärzte (66,7%) für die Verwendung von fluoridfreier Kinderzahnpasta aus. Andere Kinderärzte (26,7%) empfehlen fluoridhaltige Kinderzahnpasta ab einem Jahr, obwohl sie zu diesem Zeitpunkt noch Fluoridtabletten verschreiben und zusätzlich auch noch fluoridiertes Kochsalz empfehlen. Die Zahnärzte sprechen sich hingegen überwiegend für die Verwendung von fluoridhaltiger Zahnpasta aus. Allerdings empfiehlt nur jeder fünfte Zahnarzt bei Verwendung von Fluoridtabletten fluoridfreie Zahnpasta. Die Analyse der Umfrage zeigt, dass einerseits dem Thema Fluoridierung im Kindesalter überwiegend keine große Bedeutung beigemessen wird und andererseits eine generelle Übereinstimmung in der Verschreibungspraxis nicht zu erkennen ist. Die Untersuchung zeigt deutlich, dass keiner Empfehlung (weder der der DGZMK noch der DAKJ)  stetig gefolgt wird. Die Ärzte selbst stellen fest, dass größtenteils unterschiedliche Empfehlungen gegeben werden. Trube folgert, dass eine einheitliche Empfehlung sämtlicher Fachgesellschaften wünschenswert wäre.


Zusammenarbeit zwischen Kinderärzten und Zahnärzten ist verbesserungsfähig.

 
Das Zusammenspiel Kinderarzt - Zahnarzt muss verbessert werden.
Trube kritisiert aber auch die Zusammenarbeit zwischen Kinderärzten und Zahnärzten. Zwar ist der Kinderarzt durch die Vorsorgeuntersuchungen oder krankheitsbedingten Untersuchungen gut über den allgemeinen Gesundheitszustand des Kindes informiert. Trube bezweifelt jedoch, dass der Kinderarzt den Gesundheitszustand eines Milchgebisses ausreichend bewerten kann, da Milchzahnkaries im frühen Stadium nur mit einiger Erfahrung und unter besonderen Lichtverhältnissen erkannt wird. Bei einer einfachen Mundinspektion durch den Kinderarzt, können nur stark kariöse Milchzähne entdeckt werden. Nicht nachvollziehbar ist daher die Einstellung von über einem Drittel der befragten Kinderärzte (33,3%), nur bei einer entdeckten Milchzahnkaries zum Zahnarzt zu überweisen. 53,3 Prozent der Kinderärzte empfehlen laut eigener Aussage den Besuch einer Zahnarztpraxis, meist ab dem zweiten Lebensjahr. Über 13 Prozent scheinen sich nicht bewusst zu sein, dass für den kleinen Patienten eine frühzeitige zahnärztliche Betreuung sinnvoll ist. Dementsprechend geben rund 51 Prozent der Zahnärzte an, noch nie einen Patienten von einem Kinderarzt überwiesen bekommen zu haben. Gründe für diese unzureichende Zusammenarbeit sind nicht ersichtlich, da wirtschaftliche und konkurrenzbedingte Gedanken zwischen Zahn- und Kinderärzten keine Rolle spielen, die Eltern jedoch einer zusätzlichen Beratung in der Regel positiv gegenüberstehen.

Literatur:
Gülzow, H.-J., Hellwig, E., Hetzer, G. (2000): Empfehlungen zur Kariesprophylaxe mit Fluoriden, in: Oralprophylaxe, Jahrgang 22, Heft 4, 2000, S. 218.
DAKJ (2003): Stellungnahme der DAKJ zu den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Zahnerhaltung. Kinder- und Jugendarzt 2004; 35 (8): 538-545. (Volltext).
Mittelsdorf, A.: Kariesprävention mit Fluoriden - Eine Fragebogenaktion zur Fluoridverordnung in Berliner Kinderarztpraxen unter besonderer Berücksichtigung der Empfehlungen der DGZMK. Dissertation, Berlin 2010. (Volltext).
Treuner, A.: Fluoridprophylaxe im Kleinkindalter – Evaluation der Fluoridempfehlungen durch Zahn- und Kinderärzte. Dtsch Zahnärztl Z 2010, 65: 577–581. (Zusammenfassung).
 
Trube, F.: Fluoridsupplementation bei Kleinkindern. Dissertation, Düsseldorf 2004. (Volltext).

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Dieser Beitrag wurde von den im Impressum unter "Redaktion" genannten Zahnärzten und zahnmedizinischen Fachkräften erstellt und vom Schlussredaktionsteam didaktisch überarbeitet.
Datum der Erstellung: 25.11.2006, letzten Änderung: 03.01.2011, letzte Überprüfung: 03.01.2011. 


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