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Wirkstoffe von Mundspül-Lösungen
Chlorhexidindiglukonat (CHX)
Der Wirkstoff mit der größten Hemmung von Belagsbildung und Zahnfleischentzündungen ist Chlorhexidindiglukonat (Chlorhexamed, Chlorhexidin Oral-B, Corsodyl). Die Wirksamkeit von Chlorhexidindiglukonat wurde in über 500 Studien bestätigt und gilt heute als wirksamstes Mittel bei Zahnfleischentzündungen (Gingivitis). Der Wirkstoff besitzt ein breites antimikrobielles Spektrum gegenüber Bakterien, Hefen, Dermatophyten, Schimmelpilzen und bestimmten Viren. Wegen seiner ausgezeichneten Wirkung auf Streptococcus mutans wird Chlorhexidin außerdem häufig in der Kariesprophylaxe eingesetzt. Die antimikrobielle Eigenschaft von Chlorhexidin im Mund hält bis zu zwölf Stunden an. Allerdings sollte wegen einer möglichen Wechselwirkung mit bestimmten Substanzen in Zahnpasten (Natriumlaurylsulfat und Natriummonofluorphosphat) zwischen dem Zähneputzen und dem Spülen mit einer Chlorhexidinlösung sicherheitshalber mindestens zwei Stunden liegen. Aufgrund verschiedener Nebenwirkungen wie Geschmacksbeeinträchtigung oder vorübergehende Verfärbung der Zähne und Zunge eignet sich Chlorhexidindiglukonat nicht für längere Anwendungen. Trotz intensiver Forschung ist es bisher nicht gelungen, einen antibakteriellen Wirkstoff zu finden, der Plaque und Gingivitis ebenso effektiv reduziert wie Chlorhexidin in 0,1- bis 0,2%iger Lösung, dabei aber geringere Nebenwirkungen hat. Für den kurzfristigen Einsatz gilt daher die 0,1- bzw. 0,2%ige Chlorhexidinlösung, zweimal pro Tag in einer Dosierung von 10 bis 15 ml über 14 bis maximal 30 Tage angewandt, als Mittel der Wahl.

Eine tabellarische Übersicht mit Anwendungshinweisen für den Wirkstoff Chlorhexidin (Autorin: Prof. Nicole B. Arweiler, Universität Freiburg) können Sie hier als Acrobat Reader-Datei (340 KB) herunterladen.


Metallsalze (Aminfluorid/Zinnfluorid)
Die antibakteriellen Eigenschaften von Schwermetallsalzen sind schon lange bekannt. Die Mundspüllösung Meridol enthält die Kombination Aminfluorid und Zinnfluorid, die ebenfalls antibakteriell und entzündungshemmend wirkt. Unerwünschte Nebenwirkungen sind Metallgeschmack, Gefühl der Trockenheit sowie gelb-bräunliche Verfärbungen der Zunge und Zähne. Im Vergleich zu Chlorhexidindiglukonat ist die Belagshemmung geringer. Außer den möglichen Verfärbungen der Zähne sind bei sachgerechter Anwendung keine Nebenwirkungen bekannt, die gegen eine längerfristige Anwendung sprächen.


Ätherische Öle
Die Mundspüllösung Listerine enthält eine Kombination ätherischer Öle (Thymol, Menthol und Eucalyptol, zusätzlich Methylsalicylat und Benzoesäure), die eine gewisse Belagshemmung bewirken. Der Alkoholanteil der Lösung ist mit ca. 27% relativ hoch. Auf die hohe Alkoholkonzentration ist auch der scharfe Geschmack zurückzuführen, der von vielen Patienten als unangenehm empfunden wird. Eine Langzeitanwendung der Spüllösung ist möglich, als Nebenwirkung wurden gelegentlich Zahnerosionen genannt.
Zu den ätherischen Ölen kann auch australisches Teebaumöl gezählt werden, das in den zwanziger Jahren als wichtiges Antiseptikum galt und erst in den letzten Jahren eine Renaissance erlebt. Seine "In-vitro-Wirksamkeit", d.h. sein bakterizider Effekt auf Mikroorganismen im Labor, ist unumstriiten, eine klinische Wirkung konnte in einer Vier-Tages-Plaque-Aufwuchsstudie bei 0,13%iger Dosierung jedoch nicht nachgewiesen werden.


Triclosan

Die Spüllösung Colgate Total Plax enthält die Wirkstoffkombination Triclosan und PVM/MA-Copolymer, die eine der Chlorhexidindiglukonat ähnlich lang anhaltende antibakterielle Wirkung haben, die jedoch nicht so hoch ist. Triclosan wird bereits seit 40 Jahren als antibakterieller Zusatz für kosmetische Produkte vertrieben und eingesetzt. Seit mehr als 15 Jahren findet Triclosan als "Breitspektrum-Chemotherapeutikum" auch Anwendung in Mundhygieneprodukten. Die antimikrobielle Wirksamkeit ist in In-vitro-Studien ausreichend belegt. Dagegen wird die klinische Wirksamkeit von reinem Triclosan in der Mundhöhle kontrovers diskutiert, da der Wirkstoff durch den Speichel schnell ausgewaschen wird. Durch Kombination von Triclosan mit einem Copolymer (Polyvinyl-Methylether-Maleinsäure; PVM/MA), mit Zinkcitrat oder mit Pyrophosphaten kann die Verweildauer des Wirkstoffes in der Mundhöhle auf bis zu zwölf Stunden ausgedehnt werden, so dass bei zweimal täglicher Anwendung ein kontinuierlicher Effekt gegeben ist. Zusätzlich zu seiner antimikrobiellen Wirkung hat Triclosan auch entzündungshemmende Eigenschaften und damit eine positive Wirkung auf entzündetes Zahnfleisch.


Pflanzliche Stoffe
Andere Mundspüllösungen (Periogard, Vipont) enthalten pflanzliche Stoffe, wie z.B. Sanguinarin, die eine gewisse Plaque und Gingivitishemmung haben, eine Wirksamkeit wurde nur in Kombination mit Zinkchlorid nachgewiesen. Bei der Anwendung dieser Spüllösungen kann ein Brennen der Mundschleimhautbrennen auftreten.


Cetylpyridiniumchlorid
Cetylpyridiniumchlorid wird in einigen Mundspülungen zur Plaquehemmung eingesetzt. Der klinische Effekt wird jedoch widersprüchlich bewertet. Zwar ist Cetylpyridiniumchlorid antibakteriell wirksam, jedoch wird der Stoff durch den Speichel schnell ausgewaschen - noch schneller als bei Chlorhexidin. Zur Verlängerung der Verweildauer wird daher Cetylpyridiniumchlorid mit dem antibakteriellen Wirkstoff Zink kombiniert (Odol-med3 Extreme).

  Wirkstoffe von Mundspül-Lösungen (Quelle: Dental Magazin 4/2006)

  Wirkstoff                                         

 Wirksamkeit                                                                                                                                                 

  • Aminfluorid/Zinnfluorid      


  • Ätherische Öle


  • Cetylpyridiumchlorid

  • Hexetidin


  • Triclosan
  • Zinnfluorid zeigt deutliche Hemmwirkungen auf Plaque und deren pathogene Flora, ist allerdings wenig stabil; in letzter Zeit wurde über erfolgreiche Kombination von Amin- und Zinnfluorid berichtet, wobei Aminfluorid als Stabilisator dient.

  • In-vitro Wirksamkeit ist unumstritten; klinische Wirkung (Plaquehemmung und antibakterieller Effekt auf dem Plaque-Biofilm) konnte in einer Vier-Tages-Plaque-Aufwuchsstudie bei 0,13%iger Dosierung nicht nachgewiesen werden.

  • Klinischer Effekt wird widersprüchlich beurteilt; Kurzzeitstudien ergaben weitaus geringere Plaque- und Gingivitisreduktion als bei Chlorhexidin. 

  • weist nur geringe Substantivität auf; aufgrund schneller Rückbesiedelung mit Keimen spielt es für Plaque- und Gingivitisreduktion eine untergeordnete Rolle.

  • In-vitro Wirkungen sind ausreichend belegt; klinische Wirksamkeit wird kontrovers diskutiert, da der Wirkstoff sehr schnell ausgewaschen wird.


Literatur:
Arweiler, N. B.: Leitfaden zur Anwendung von antibakteriellen Wirkstoffen in der Mundhöhle, GlaxoSmithKLine, Brühl 2005
Arweiler, N. B. et al.: Vergleich der Effektivität zweier 0,2%iger Chlorhexidin-Lösungen: eine 4-Tages-Plaque-Aufwuchsstudie, IADR-Konferenz, Baltimore 2005, Abstract 1545
Bordas A., Cibenel M., Guillaume, M.: Effect of CHX/NaF mouthrinse on plaque regrowth, IADR-Konferenz, 2004, Abstract 0209
Netuschil, L.: Die Mölndal-Studie - 80% weniger Karies durch Chlorhexidin-Applikation, ZWR 12/1997).

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Dieser Beitrag wurde von den im Impressum unter "Redaktion" genannten Zahnärzten und zahnmedizinischen Fachkräften erstellt und vom Schlussredaktionsteam didaktisch überarbeitet.
Datum der Erstellung: 11.08.2006, letzten Änderung: 11.03.2011, letzte Überprüfung: 11.03.2011. 



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