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Droht Amalgam-Stopp?

 

Droht EU-weiter Amalgam-Stopp?Alarm wegen Amalgam – diese knappe Formulierung beschreibt treffend, was am 22. Februar 2006 vom zuständigen EP-Fachausschuss für Umweltfragen, Volksgesundheit und Lebensmittelsicherheit vorentschieden werden könnte: das komplette EU-weite Verbot dieses zahnärztlichen Füllungswerkstoffes. Die Bundeszahnärztekammer hat sich deshalb in einem Brief an die 13 deutschen Mitglieder dieses Ausschusses gewandt und appelliert, sich dringend gegen ein generelles Verbot von Amalgam einzusetzen. Mit ihrem Brief folgt die Bundeszahnärztekammer dem Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde Prof. Dr. Georg Meyer, der in einer wissenschaftlichen Stellungnahme an die Ausschuss-Mitglieder darauf verweist, dass ein Amalgam-Verbot nach internationalem Stand der zahnärztlichen Wissenschaft "absolut nicht nachvollziehbar" sei. Entgegen anders lautenden Behauptungen sei es immer noch nicht gelungen, einen plastischen Füllwerkstoff zu entwickeln, der in der Lage ist, Amalgam vollständig und in allen Bereichen zu ersetzen. Daher kann zum jetzigen Zeitpunkt aus Sicht der Zahnärzte ein allgemeines Amalgamverbot nur abgelehnt werden.

Amalgam-Verbot bereits in den 80er Jahren diskutiert.
Mit der EU-Initiative wird eine jahrelange Amalgamdiskussion neu entfacht. Bereits mitte der 80er Jahre geriet das Füllungsmaterial Amalgam in die Kritik. Aufgrund möglicher Gefahren lehnten zahlreiche Länder (z.B. Singapur und die ehemalige UdSSR) Amalgam für Zahnfüllung ab. Anders in Deutschland, wo Amalgam vom Bundesausschuss der Zahnärzte und Krankenkassen noch in den 90er Jahren als Regelversorgung für Kassenpatienten vorgeschrieben wurde. Zwar urteilte einige Zeit später das Bundessozialgericht, dass die Richtlinie zur Regelbversorgung mit Amalgam nicht rechtsgültig sei. Die Richter taten dies jedoch nicht wegen vermeintlicher, nicht nachgewiesener Gefahren durch Amalgam, sondern aufgrund der ärztlichen Therapiefreiheit. Daher entschied das Bundessozialgericht auch, dass Patienten keinen Anspruch darauf haben, ihre Amalgam-Zahnfüllungen wegen gesundheitlicher Probleme - mit Ausnahme einer Quecksilber-Allergie - auf Kosten der Krankenkassen austauschen zu lassen.

Anfang der 90er Jahre wurden in Deutschland rund 20 Tonnen Quecksilber zur Amalgamherstellung verbraucht und 38 Millionen Amalgamfüllungen gelegt. Als Folge der verstärkten Nachfrage nach weißen Füllungen hat sich dieser Anteil bis zum heutigen Tag stetig verringert.
(agz-rnk, 18.02.2006, Quellen: Bundeszahnärztekammer Klartext 03/2006, DZW 7/2006, zm-online v. 16.02.2006, Foto: )

Weitere Informationen:
Kein Gesundheitsrisiko durch Amalgam?
Amalgam doch giftiger als gedacht (TAZ-Artikel vom 28.04.2003) 
Fachinformation "Umwelt und Gesundheit" zu Amalgam
Informationen zu Quecksilber 

Nachtrag vom 14.03.2006:
Doch kein Amalgam-Verbot: Erfolg bei der Abstimmung.
Eine drastische Einschränkung der Verwendung von Amalgam innerhalb der EU konnte zunächst verhindert werden. Als erster Teilerfolg konnten die über das EU Dental Liaison Committee (DLC) mit Unterstützung des Brüsseler Büros der BZÄK vorgeschlagenen Änderungen in der Sitzung des ENVI-Ausschusses durchgesetzt werden (Ausschuss für Umweltfragen, Volksgesundheit und Verbraucherschutz des EP). Zu diesem Ergebnis haben, laut DLC, auch die zahlreichen Interventionen an die EU-Abgeordneten in den vergangenen Wochen und Monaten beigetragen. Zuletzt hatten auch BZÄK-Präsident Weitkamp und DGZMK-Präsident Prof. Dr. Georg Meyer ihren wissenschaftlich begründeten Widerspruch gegen ein Amalgamverbot geäußert.
Nach Antrag des Ausschusses soll das Parlament in einem nächsten Schritt die Expertengruppe über Medizinprodukte auffordern, die Unbedenklichkeit von Amalgamfüllungen zu überprüfen. Massive Bedenken zu einem Radikal-Verbot hatte der BZÄK-Vorstand auch auf seiner Sitzung Anfang Februar in Brüssel angemeldet. Die Ergebnisse der Abstimmung fließen in ein Schlussdokument unter dem Titel "Entschließung des Europäischen Parlamentes über eine Gemeinschaftsstrategie zu Quecksilber" ein, das der Kommission für deren Beratungen zum Thema zur Verfügung gestellt werden soll.
(agz, 14.03.2006, Quelle: Klartext Ausgabe 04/06)




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