Während die Krankenkassen als Folge der befundbezogenen Festzuschüsse noch von erheblichen Ausgabenminderungen beim Zahnersatz sprechen ("Milliarden-Einsparung bei Zahnersatz"), sieht der Vorsitzende der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV), Dr. Jürgen Fedderwitz, eine weitgehende Normalisierung. "Die Ausgaben der Krankenkassen für Zahnersatz steigen in Richtung Vorjahresniveau. Massive Einspareffekte wird es nicht geben."
Die Zahl der Zahnersatz-Behandlungsfälle lag im Februar 35,8 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Ende Juni waren es nur noch 7,2 Prozent. Die Ausgaben sind im Juni wieder auf ca. drei Viertel des Vorjahresniveaus angestiegen, während sie im Februar nur ca. ein Drittel erreicht hatten", so Fedderwitz. Dass zu Jahresbeginn starke Einbrüche bei den Behandlungszahlen und damit auch bei den Kassenausgaben zu beobachten gewesen seien, sei vor allem auf das Fehlen einer Übergangsregelung zur Einführung der Festzuschüsse zurückzuführen. Das habe wesentlich zu den Verzerrungen bei den Behandlungsfällen des ersten Halbjahres 2005 geführt. Erst zum Ende des zweiten Quartals sei die Wirkung der Umstellungseffekte stark zurückgegangen. Die letzten Wochen würden das tatsächliche Leistungsgeschehen besser abbilden. Fedderwitz: "Deshalb sind auch die Äußerungen von Kassenvertretern nicht haltbar, die Ausgaben für Zahnersatz würden sich für das Gesamtjahr halbieren. Dass das nicht der Fall sein wird, ist schon abzusehen."
Zahnarztpraxen unzufrieden. Ganz anders die Stimmung beim zahnärztlichen Fußvolk. Ganz im Gegensatz zu dem KZV-Chef begrüßen hier lediglich 50 Prozent das Zahnersatz-Festzuschuss-System wirklich. Zum Einen wegen des bürokratischen Aufwandes, zum Anderen wegen der mangelnden Bereitschaft der Patienten, private Zusatzleistungen zu zahlen. So sagen 40 Prozent der Zahnärzte in Schleswig-Holstein, dass die Mehrzahl der Patienten nicht bereit ist, außervertragliche Leistungen, also Privatleistungen, zu bezahlen. Da wundert es nicht, dass 61 Prozent der befragten Zahnarztpraxen von einer schlechteren wirtschaftlichen Situation seit Einführung des neuen Systems ausgeht. Zumal mehr als 65 Prozent behaupten, dass weniger Patienten in die Praxen kommen. Nur 1 Prozent der Zahnärzte bezeichnet die eigene "Stimmungslage" als "sehr gut". Als "ausreichend" (Note 4) bis "mies" (Note 6) sehen 60 Prozent der Befragten ihre Situation. (agz-rnk, 01.10.2005, Quellen: Pressemitteilung KZBV vom 01.09.2005, Zahnärzteblatt Schleswig-Holstein, Ausgabe 8/2005, Die Zahnarzt Woche 35/2005, Foto: Bego)
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