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Milliarden-Einsparung bei Zahnersatz.

 

Krankenkassen sparen Milliarden bei Zahnersatz.Verkehrte Welt! So könnte man meinen. Während normalerweise Krankenkassen eher darüber klagen, dass sie zu hohe Kosten haben, schlagen sie nun Alarm, weil sie zuwenig Geld ausgeben - zumindest beim Zahnersatz. Denn hier hat es seit 2005 erhebliche Ausgabenverringerungen gegeben. Gaben die gesetzlichen Krankenkassen im vergangenen Jahr noch rund 4 Milliarden Euro für Zahnersatz aus, dürften es in diesem Jahr nur noch 2,1 Milliarden Euro sein. Ein Rückgang um fast 50 Prozent. So zumindest das Ergebnis einer Berechnung der Innungskrankenkassen (IKK). Nicht ganz so hoch fällt der Zahnersatzrückgang bei den Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) aus. Dennoch verzeichnen auch sie im ersten Halbjahr 2005 rund 36 Prozent weniger Ausgaben für die Dritten.

Grund für diese Einsparung sind nicht gesündere Gebisse, sondern eher dass seit Anfang diesen Jahres geltende neue Verfahren zur Abrechnung von Zahnersatz. Während sich früher die Krankenkasse mit einem prozentualen Zuschuss an den Zahnersatzkosten beteiligte, erhalten seit dem 1. Januar Versicherte einen "befundbezogenen Festzuschuss" für ihre neuen Zähne. Und hier ist der Haken. Bei vielen Zahnersatzformen deckt der Festzuschuss nur einen kleinen Teil der Gesamtkosten ab. Der Patient muss tiefer in die eigene Tasche greifen, wählt er zum Beispiel Teleskopkronen, die nicht an den Eckzähnen befestigt sind. Allzu oft entscheidet sich so der Versicherte gegen diese langfristig wirtschaftlichere Zahnersatzform.

Nach Angaben des Verbandes Deutscher Zahntechniker-Innungen (VDZI) ist die Versorgung mit Teleskopkronen um 80 Prozent zurückgegangen. Nicht ohne Folgen für die Dentallabore, die im 1. Halbjahr des Jahres 2005 insgesamt einen dramatischen Umsatzrückgang von Minus 39,4 Prozent im Vergleich zum 1. Halbjahr des Vorjahres registrieren. Wegen fehlender Aufträge werden immer mehr Zahntechniker entlassen. Innerhalb eines Jahres verdoppelte sich die Zahl der arbeitslosen Zahntechniker auf mehr als 8.000. Mit 12,3 Prozent ist dies der höchste Stand seit Oktober 1999, nachdem die zahntechnischen Meisterbetriebe in den Jahren 1998/1999 schon einmal mit einem Abbau von 20.000 Beschäftigten auf das Ende 1998 gescheiterte Festzuschuss-Modell beim Zahnersatz reagieren mussten.

Krankenkassen und VDZI fordern daher die zuständigen Entscheidungsträger bei den Krankenkassen und Zahnärzten im Gemeinsamen Bundesausschuss auf, bei den Festzuschüssen nachzubessern, um das bisherige Versorgungsniveau für die Patienten zu sichern und das Festzuschuss-System sozial gerecht und funktionsfähig auszugestalten.
(agz-rnk, 10.09.2005, Foto: prodente)




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