Parodontitis bleibt oft unbehandelt Die Gefahr durch eine Parodontitis wird unterschätzt. Rund 50 Prozent der erwachsenen Bundesbürger leiden an einer Erkrankung des Zahnhalteapparates. Nur 1,5 Prozent lassen diese jedoch behandeln. Nach neuen Zahlen der Deutschen Gesellschaft für Parodontologie (DGP) müssten 25 Millionen Erwachsene, bei denen sich bereits Zahnfleischtaschen von vier und mehr Millimetern Tiefe gebildet haben, therapiert werden. Entzündungen des Zahnhalteapparates können zu Zahnverlust führen. Deshalb warnen Zahnärzte davor, erste Alarmsignale wie gerötetes Zahnfleisch und spontanes Bluten beim Zähneputzen oder Essen einfach zu ignorieren.
Rauchen ist die häufigste Ursache für Parodontitis, aber auch durch mangelnde Mundhygiene und damit nicht entfernte Zahnbeläge droht Schaden. Bakterien setzen einen Prozess in Gang, der im ersten Stadium oft schmerzfrei verläuft. Wird eine beginnende Parodontitis beim Zahnarzt nicht sofort behandelt, löst sich das Zahnfleisch am Rand vom Zahn ab. Es entstehen so genannte Zahnfleischtaschen. Auch hier können sich nun Speisereste und Beläge "sammeln". Für die Zahnbürste sind sie unerreichbar. Im nächsten Schritt dringt die Entzündung immer tiefer in die Tasche vor, zerstört die Zahnhaltefasern und den Kieferknochen entlang der Zahnwurzel. Zuletzt werden - ansonsten vielleicht völlig gesunde - Zähne locker und fallen aus.
Eine Parodontitis muss frühzeitig diagnostiziert und therapiert werden. Umso besser sind die Heilungschancen. In den Zahnarztpraxen wird zunehmend eine neue Messmethode eingesetzt, um den Zustand des Zahnfleisches zu bewerten: der Parodontale Screening Index (PSI). Das Gebiss wird dabei in sechs verschiedene Abschnitte eingeteilt. Jeder einzelne Bereich wird Zahn für Zahn mit einer speziellen Sonde untersucht. Der Zahnarzt führt sie vorsichtig zwischen Zahn und Zahnfleisch ein und tastet um den gesamten Zahn. An bis zu sechs Positionen pro Zahn wird ein Befund über die Blutungsneigung des Zahnfleisches, die Tiefe der Zahnfleischtaschen und die rauen Stellen an der Zahnoberfläche erhoben. Jeder Zahn wird mit Werten zwischen null und vier beurteilt. Für jeden Abschnitt protokolliert der Zahnarzt den höchsten Wert. Ist für alle Bereiche der Code 0 eingetragen, ist das Zahnfleisch gesund. Ein- oder mehrmals Code 1 und/oder Code 2 weisen auf eine Zahnfleischentzündung hin. Ist Code 3 notiert, liegt eine mittelschwere Parodontitis vor, Code 4 zeigt eine schwere Parodontitis an. Das Screening dauert nur wenige Minuten und ist kaum zu spüren. Es gehört zu den präventiven und diagnostischen Leistungen, die von der Praxisgebühr befreit sind, wenn der PSI im Zusammenhang mit einer Vorsorgeuntersuchung erhoben wird.
Eine erfolgreich behandelte Parodontitis schützt den Patienten allerdings nicht vor erneutem Leid, wenn er Risikofaktoren wie das Rauchen nicht abstellt, die Mundhygiene weiterhin vernachlässigt oder den Zahnarzt nicht regelmäßig aufsucht. (agz-rnk, 19.03.2005, Quelle: Informationsstelle der Pfälzischen Zahnärzte)
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