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Globudent-Verfahren beginnt

 

Knapp zwei Jahre nach dem Auffliegen des Millionen-Betrugsskandals um billigen Zahnersatz aus Fernost begann vor dem Landgericht Duisburg die juristische Aufarbeitung. Billige Zahnprothesen und Brücken aus China oder der Türkei wurden den Krankenkassen und den Patienten als teure deutsche Produkte in Rechnung gestellt. Insgesamt 478 Zahnärzte in ganz Deutschland sollen laut Staatsanwaltschaft Wuppertal der Versuchung nachgegeben und ihre Patienten betrogen haben.

Ende der 90er Jahre begann für einige Zahnärzte in Deutschland durch Lug und Trug ein goldenes Zeitalter. Billige Zahnprothesen und Brücken aus China oder der Türkei wurden den Krankenkassen und den Patienten als teure deutsche Produkte in Rechnung gestellt. Der Geldsegen war verlockend. Bestellte ein Zahnarzt bei Globudent eine Zahnprothese zum so genannten "Komfort-Tarif", dann konnte er wenig später mit einer Rückerstattung in Höhe von 15 bis 30 Prozent des Rechnungsbetrages rechnen. Das Geld kam in bar. Und die Beträge summierten sich. Ein Duisburger Zahnarzt erhielt laut Anklage im Laufe der Jahre mehr als 220 000 Euro Rückerstattungen, ein Düsseldorfer Kollege mehr als 179 000 Euro. Deutschlandweit wurden so billige China-Prothesen als deutsche Hochpreis-Produkte verkauft. Das bescherte einigen hundert Zahnärzten steuerfreie Zusatzeinnahmen in Millionenhöhe. Und den Patienten eine zusätzliche Sorge, wenn sie heute an ihre Brücken und Kronen denken. Denn die Qualität der Fernost-Ware ist umstritten.

Aufgeflogen waren die Machenschaften im November 2002. Einige niedersächsische Zahnärzte wollten bei dem Betrug nicht mitmachen und wandten sich an die AOK in Hannover. Daraufhin kam eine wahre Lawine von Ermittlungen ins Rollen. Nach Angaben der AOK stehen neben Globudent inzwischen rund 70 Dentallabors und Handelsunternehmen unter Betrugsverdacht. "Wie viele Zahnärzte darin noch verwickelt sind, ist noch gar nicht abzuschätzen", sagt AOK-Sprecher Klaus Altmann.

Der Globudent-Skandal hat aber auch dazu beigetragen, dass die Krankenkassen und Abrechnungsstellen der Ärzte eigene Ermittlungsgruppen einrichten mussten. Dies sei seit Anfang 2004 im Fünften Sozialgesetzbuch festgeschrieben, so AOK-Sprecher Klaus Altmann. Damit müssten Kassen sowie Kassenzahnärztliche und Kassenärztliche Vereinigungen gezielt einem Betrugsverdacht nachgehen. Von den Dentallaboren wird nun ein Nachweis über die Herkunft der gelieferten Zahnprothesen verlangt. Dieser Herkunftsnachweis sei eine zusätzliche Sicherung. Altmann schränkt aber ein: "Wenn jemand wirklich betrügen will, ist Papier geduldig."
Die Firma Globudent wurde kurz nach Auffliegen des Skandals aufgelöst.
(agz, 11.09.2004, Quelle: dpa, Bild: prodente)




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