Wer den Zahnarzt besucht, muss damit rechnen, unter Umständen tief in die eigene Tasche greifen zu müssen. Hinzukommt, dass Dentisten eher selten auf alternative Behandlungsmethoden hinweisen. In Lünen steht unsicheren Patienten ab kommender Woche jedoch die zahnmedizinische Beratung des Kreises zur Seite.
"Wir setzen mit diesem Projekt einen Meilenstein in der zahnmedizinischen Beratung", erläutert Kreis-Gesundheits- und Verbraucherschutzdezernentin Gabriele Warminski-Leitheußer bei der Vorstellung der in NRW einmaligen Beratungsmöglichkeit im Gesundheitshaus Lünen. Bundesweit gebe es lediglich in Heidelberg ein ähnliches und sehr erfolgreiches Projekt. Ziel der neutralen Beratung sei es, den Informationsstand des Patienten zu verbessern, ihn zu einem sachkundigen Gesprächspartner zu machen und damit auf gleiche Augenhöhe mit dem behandelnen Arzt zu bringen. Da der finanzielle Eigenanteil der Patienten immer höher werde, sollten sie laut Warminski-Leitheußer über das Zustandekommen der Kosten bestmöglich informiert sein. "Mit der Einrichtung der Patientenberatung treffen wir also sprichwörtlich den Nerv der Bürger."
Sie vergleicht eine Zahnbehandlung mit dem Kauf eines Autos: "Wer einen Wagen kauft, lässt sich im Autohaus ein Angebot erstellen und informiert sich dann bei einem neutralen Berater, ob der Preis angemessen ist." Im zahnmedizinischen Bereich sei diese Möglichkeit bisher nicht gegeben. "Diese Lücke wird jetzt im Kreis Unna geschlossen." Ab Mittwoch, 1. September, geht der Modellversuch "Zahnärztliche Patienten- und Verbraucherberatung für den Kreis Unna" an den Start. Er bietet Hilfestellung bei allen offenen Fragen zu geplanten Behandlungen und Behandlungsalternativen zu Zahnersatz, Implantaten und Kieferorthopädie.
Außerdem leistet die Beratungseinrichtung Hilfe bei der Suche von Praxen mit besonderen Tätigkeitsschwerpunkten, Problemen nach zahnärztlichen Eingriffen und Abrechnungsfragen sowie Kostenerstattung und Kassenleistungen. Die Beratung, die von Zahnärztinnen, Zahnärzten und Fachassistenten durchgeführt wird, ist kostenlos. Voraussetzung für die Hilfestellung ist allerdings eine Untersuchung und Erstberatung durch den eigenen Zahnarzt der Patienten und eine telefonische oder schriftliche Kontaktaufnahme mit dem Zahnärztlichen Dienst in Unna. Dort kann ein individueller Beratungstermin vereinbart werden, der dann im Gesundheitsamt Lünen oder Unna durchgeführt wird. (agz, 29.08.2004, Quelle: Westdeutsche Allgemeine Zeitung vom 27.08.2004, Bild: Colgate)
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